Bericht über die WORLDS am 15.-17.08.2014 in Koblenz

Zum ersten Mal wurde dieses internationale Wargamingevent in Deutschland ausgerichtet. Das von zahlreichen Field of Glory (FoG)-Turnieren erfahrene Orga-Team um Martin Wirt und Thomas Peters haben hier Beeindruckendes auf die Beine gestellt. Es fanden Turniere in insgesamt 6 Regelsystemen (SAGA, Warhammer Ancient Battles, FoG Napoleonisch, FoG Antike und Mittelalter, FoG Renaissance und DBMM) statt.  
Meine Club-Kollegen Sven, Stefan, Gerd, Ullrich, Simon und Patrick traten in der Rhein-Mosel-Halle bei WAB, SAGA und FoG an.


Blick in die Veranstaltungshalle

Ich hatte mich für das FoG:R-Turnier und eine Armee aus dem frühen 30 jährigen Krieg entschieden. Die Schweden des 30 jährigen Krieges vermutete ich zwar als die erfolgversprechendere Auswahl, es erschien mir aber auf Dauer zu langweilig, nur die superharte Infantrie aufzureihen, nach vorne zu marschieren und es mit jedem Gegner aufzunehmen, der sich ihnen in den Weg stellt. Mit meinen Ungarn-Transilvaniern unter Bethlen Gabor mit viel Reiterei und mittlerer Infantrie entschied ich mich daher bewusst für eine hochmobile Armee. Da sie nach vorne nicht allzu viel Durchschlagskraft hat, plante ich mit der guten schweren Kavallerie eine Flanke zu nehmen, die gegnerische Reiterei dort zu zerschlagen und mit ein bischen Glück das gegnerische Zentrum von der Seite aufzurollen. Währenddessen sollten meine leichten Truppen und Plänkler den Feind im Zentrum und der anderen Flanke hinhalten.
Ich erwartete auf dem Turnier schon einige starke Infantriearmeen. Als aber dann die Teilnehmerliste veröffentlicht wurde, waren mehr als die Hälfte Schweden des 17.Jh. und die Anglo-Dutch des Augsburger Bundes (LoA-League of Augsburg). Ich muss zugeben, dass das meine Bedenken erheblich verstärkte, ob meine Siebenbürger dem gewachsen waren.    

Nach kurzer Anfahrt Freitags erwartete mich als ersten Gegner Tim Porter aus London mit eben jenen 30jK Schweden. Ich freute mich über die Wahl des Spielpartners, betreibt Tim doch die rege Webseite Madaxemen.com und seine Spielberichte sind legendär. Dass meine Armee und ich in einem dieser Spielberichte auftauchen konnten, war für mich schon ein besonderes Highlight, auf das ich auch leise gehofft hatte.  

Tim bringt seine Schweden in Stellung

Auf der Spielplatte sah es aber düster aus. Mit tödlicher Regelmäßigkeit raubte mir das schwedische Musketen- und Artilleriefeuer eine Base nach der anderen. Auch das Gelände war für mich nicht optimal und ich wurde zu zögerlich. Das verschaffte Tim nur noch mehr Zeit, meine Truppen im Fernkampf zu dezimieren. Als ich meine Reiterei endlich in Position für einen erfolgversprechenden Flankenangriff gebracht hatte, machte ich einen Bewegungsfehler und danach bildeten die Schweden einen Igel (bzw. Karree oder Square). Eine gute Chance war vertan.


Meine Boyaren vor dem schwedischen Igel

Frustriert schwenkten meine Kürassiere auf die feindliche Artillerie und das Lager um, während die Schweden meine leichteren Truppen auseinandernahmen. Ich wollte beide Ziele (Artillerie und gegnerisches Camp) auf einmal, statt mich zunächst mit einem zu begnügen. Infolge dessen hatte ich gar nichts erreicht, als meine Armee brach und die Schweden einen großen 13:0-Sieg einfuhren.

Abends war das 2. Spiel gegen Ben Jones, ebenfalls aus England. Er brachte Franzosen des 30jK mit, die fast komplett aus Pike&Shot-Einheiten bestanden. Er hatte dafür beinahe vollständig auf Artillerie, Reiterei und leichte Truppen verzichtet, aber es zahlte sich aus. Wieder war mir zum Teil mein eigenes Gelände im Weg und die Masse der Franzosen erstreckte sich gefühlt von einer Seitenkante bis zur anderen. Ben machte keine Fehler und ich kam erst sehr spät in seine Flanke. Verzweifelt versuchten meine Reiter sich durch seine Schlachtreihe zu mogeln, was mich aber nur zusätzliche Einheiten kostete und keinen Zoll weiter brachte. Mein besorgniserregendes Würfelpech vom 1.Spiel hielt an und ich hatte mehr Verluste zu verzeichnen als notwendig (und statistisch wahrscheinlich).  
Zu guter letzt konnte ich doch einen Flankenangriff auf eine gegnerische Einheit initiieren, aber sogar dieser ging schief und ich verlor meine unglückseligen Kürassiere im Nahkampf.

Ich würfle gut (schwarze Würfel oben), aber mein Gegner würfelt besser (bunte Würfel unten) !

Danach brachen die Franzosen durch, erschossen meine Kanoniere und erbeuteten mein Lager.

Auch verbogenen Piken können ein ungarisches Lager erobern.

Eine erneute 13:0 Niederlage und ich begann mich ernstlich zu fragen, ob meine Armee überhaupt eine Chance gegen eine der am Turnier beteiligten Armeen hat.
Im Nachhinein ist immerhin festzuhalten, dass Ben mit Abstand das FoG:R-Turnier gewonnen hat. Er ist ein sehr guter Spieler und hat offensichtlich außer mir noch viele Gegner plattgewalzt. Er hatte sogar schon VOR seinem letzten Spiel genug Vorsprung um als Turniersieger festzustehen. Eine Situation, an der ich nicht ganz unschuldig war.

Mit Galgenhumor und niedergedrückten Platzierungs-Erwartungen ging es in unsere Ferienwohnung, wo mein schnöder Büroangestellter bei Zombiecide als Leichenfutter endete.

Samstagmorgens hatte sich nach einem gemütlichen Frühstück im Kreise der Clubkollegen die Moral gefestigt und es herrschte die Erkenntnis, dass es auf dem letzten Platz und ohne erspielten Siegpunkt ja nur noch besser werden konnte.

Das nächste Spiel ging wieder gegen einen Briten: Michael Pickering und seine LoA Anglo-Dutch, eine infantrielastige und beschußstarke Armee.

Ich versuchte mein Glück mit Hinterhalten (siehe Marker im Gelände unten).

Eine durchaus ordentliche (bemalte) Armee.

Er spielte sehr defensiv und kam kaum nach vorne. Dies verringerte den Druck auf mein Zentrum, bot mir aber auch keinen Angriffspunkt. Ich schaffte es erneut, bereits bei den ersten Beschusstreffern prompt Einheiten zu verlieren. Dies ging so lange, bis ich, um weiteren Verlusten aus der Distanz vorzubeugen, zum Angriff überging. Wieder ließen mich meine Würfel im Stich und ich verlor meine Einheiten nur noch schneller.
Erneut misslang mein zäh herausmanövrierter Flankenangriff der Kürassiere und nur nach Verstärkung durch weitere Reiterregimenter konnte ich tatsächlich in das gegnerische Zentrum einbrechen. Durch die Verzögerung verlor der Angriff aber zu viel Schwung und ich konnte daraus kein Kapital schlagen. Meine Armee brach, weil ich anderswo zu viele Truppen verloren hatte. Eine 13:2 Niederlage, aber zum ersten Mal bekam ich das Gefühl, dass mehr drin gewesen wäre.

Nach einigen schnellen Stückchen Pizza hatte ich erneut meinen Angstgegner vor mir, die Schweden des 30 jährigen Krieges. Diesmal unter der Führung von Michael aus Koblenz. Aber er spielte seine Armee ziemlich unaggressiv und verließ sich sehr auf seinen beträchtlichen Artilleriepark, der jedoch oft daneben schoss. Zudem war eine Spielfeldhälfte nahezu ohne Gelände, was meine schwere Reiterei zu einem schnellen Vorgehen ermutigte.

Mein Kavallerieflügel (links) setzt zum Angriff an.

Erneut konnte ich einen Flankenangriff ansetzen, der diesmal volle Wirkung entfaltete. Meine schweren Reiter wüteten in der gegnerischen Flanke und meine leichten Reiter erbeuteten beide Geschützbatterien. Im Gegenzug war der Hauptteil meiner Infantrie auf einem Hügel sicher, da es das exzellente schwedische Fußvolk nur sehr gemächlich angehen ließ.
Lediglich die Elite-Kavallerie der finnischen Hakkapällää zerschlug meine Szekler und eroberte das Lager.

Die Finnen rechts zerschmettern meine Szekler und machen sich auf den Weg zum Lager.

Das waren aber die einzigen Punkte für die Schweden, so dass ich 10:4 gewann.

Nach einem hervorragenden Burger in einem Diner-Restaurant machten wir einen kurzen Abstecher zur After-Show-Party an den Koblenzer Stattstrand. Wegen unsommerlichen Temperaturen zogen wir uns aber bald wieder in unsere Ferienwohnung zurück, wo wir bei ein paar Flaschen Bier den Tag beschlossen.  

Sonntagmorgen bescherte mir die nächste Runde gegen die LoA Anglo-Dutch, diesmal unter dem Kommando von Derbo aus Hannover. Erneut fiel das Gelände für mich suboptimal aus und meine schweren Reiter hatten keinen Raum zum Operieren. Zwar vertrieben sie eine Einheit Dragoner aus einem ummauerten Feld, doch dann musste ich sie ratlos darin stehen lassen, da sie so wenigstens gute Deckung hatten und im Freien nur die Musketenläufe und Bajonette der niederländischen Infantrie warteten.

Gegen solch schöne Figuren spielt man gern.

Ein weiteres Geländestück verlor ich unter Verlusten an die gegnerische Garde. Meine wertvollen Boyaren wurden vom Pech verfolgt und von der feindlichen Artillerie zerstört, ohne auch nur in Feindesnähe gekommen zu sein. Auf der rechten Flanke konnte ich nochmal Dragoner aufreiben und mich im Gelände festsetzen. Der Gegner schickte Gardeinfantrie und Kavallerie, die ich aber alle ausmanövrieren und besiegen konnte. Die im letzten Spiel überrittenen Szekler bewiesen hier ihren vollen Wert und brachten zwei Flankenangriffe durch.

Meine Szekler dominieren das Gelände, solange die gegnerische Infantrie noch nicht heran ist.

Die beiderseitigen Verluste hielten sich die Waage und es stand bis zuletzt 6:6 unentschieden. Dann kam mein allerletzter Würfelwurf des Spiels...mir reichte eine 3+ auf W6 … was soll ich sagen...ich verlor 6:8 !
Doch trotz meinem zurückkehrenden Würfelpech war ich mit meiner Performance diesmal halbwegs zufrieden.

Das letzte Turnierspiel ging gegen Richard aus Wales und seine Savoyer. Eine ähnliche Armee wie die Anglo-Dutch, nur ohne Regimentskanonen und mit mehr durchschnittlichen Truppen.

Die Anfangsaufstellung. Rechts unten wieder mein großer Kavallerieflügel, der auch diesmal endlich den Sieg erringen sollte.

Ein weiterer defensiver Spieler mit sehr bedächtigem Vorgehen. Da aber eine Spielfeldseite komplett geländefrei war, ging ich hier aggressiv mit meinen Kürassieren vor. Richard bekam zwar problemlos seine Front geschlossen, aber mir standen hier nur einfache Truppen im offenen Gelände gegenüber. Als meine Kürassiere angriffen, verwürfelte mein Gegner den Nahkampf, während meine Würfel sich von ihrer besten Seite zeigten. Ein Umstand, der erstaunlicherweise das ganze Spiel über hielt.
Schnell brach ich den Flankenschutz und schwenkte auf die Hauptkampflinie ein. Auch meine mittlere Infantrie hielt frontal lange genug stand, bis meine zweite Kürassiereinheit dem Gegner in die Flanke kam. Beim Verfolgen eroberten meine Berittenen noch die gegnerischen Kanonen, während im Zentrum meine Artillerie und meine Schützen durch vorbildliche Trefferwürfe ganze zwei Einheiten aufrieben. So gewann ich das Spiel 14:0. Mein Gegner haderte mit seinem Würfelpech, aber diesmal war das Glück mit dem Tüchtigeren (sprich aktiveren Spieler).

Also beschließe ich das Turnier mit zwei hohen und einer knappen Niederlage, zwei hohen Siegen und einem unrühmlichen 13.Platz (von 16).
Alles in allem glaube ich, wenige Spielfehler gemacht zu haben. Ich bin eher an einer Kombination aus unglücklichen Armeepaarungen (den Schweden und Anglo-Dutch habe ich frontal einfach nichts entgegen zu setzen), einer unausgereiften Gewinnstrategie (meine mittlere Infantrie braucht Gelände, meine Kürassiere hassen Gelände. Ich hatte zumeist zu wenig für die einen und zu viel für die anderen) und schierem Würfelpech (meine Death Throws waren erbärmlich) gescheitert.  

Bei den Clubkollegen gab es ebenfalls Licht und Schatten. Während einige wie ich  im unteren Ende des Mittelfeldes dümpelten, schaffte Stefan einen respektablen 3.Platz im WAB-Turnier, Simon errang den 3. Platz und unsere SAGA-Koriphäe Patrick konnte sogar den 1.Platz im SAGA-Turnier einheimsen. Herzlichen Glückwunsch !

Trotz meinem armseligen Turnierergebnis war es eine sehr gelungene Veranstaltung mit über 100 Teilnehmern aus aller Welt, einer vorbildlichen Organisation, einer sehr angenehmen Location, super entspannter Spielatmosphäre, viele Erlebnisse und Eindrücke und nicht zuletzt einer großen Tüte voll neu gekaufter Zinnfiguren.  

Kuriosität: selbstgestricktes Gelände beim FoG A/M-Turnier

Die Walachen die ich für Kai bemalt hatte (mit den grünen Grasbasen) schnitten auch nicht besonders gut ab bei FoG A/M.