Der Angriff auf Oberehnheim (Spielbericht 30 jähriger Krieg)

Der Angriff auf Oberehnheim

 

Diese Schlacht war das letzte Gefecht aus unserer Play-by-mail-Kampagne „Gegen Land und Leut...“ welche im Elsass zur Zeit des 30 jährigen Krieges spielte.


Der Ort Oberehnheim wurde vom französischen Kommandanten Turenne verteidigt. Angreifer waren spanische Truppen unter Alburquerque und Kaiserlichen unter Piccolomini.

 

Das Spiel wurde mit 15mm Figuren und dem Regelwerk Field of Glory Renaissance, ausgespielt.


Turennes Haupttrupp wurde in Oberehnheim angegriffen. Er bestand aus dem Truppenkommandanten Verviers, drei Pike&Shot-Einheiten (jeweils mit guter, durchschnittlicher und schlechter Qualität), jeweils einer Einheit durchschnittlicher Dragoner, schlechter Musketenschützen und einer überlegener und einer durchschnittlichen Bandelierreiterei. Der gesamte Trupp Turenne´s war verschanzt.
Oberehnheim wurde von zwei Seiten angegriffen. Aus Südwesten kamen Alburquerques Spanier mit zwei durchschnittlichen Tercios, einer leichten Artilleriebatterie und einer Einheit durchschnittlicher Kürassiere. Aus Osten kamen Piccolominis Kaiserliche mit zwei Pike&Shot Einheiten, einer mittleren Artilleriebatterie, neurekrutierte Kürassiere und ein Tercio, sowie eine Einheit Schockkavallerie nach schwedischer Manier.

Anfangsaufstellung:

unten - v.l.n.r.: einige Neugierige und vorwitzige Trossbuben, daneben die zwei kaiserlichen Reitereien, kais. Ari bewacht von den bayrischen Rekruten, zwei kaiserl. Pike & Shot-Einheiten, die spanischen Kürassiere, dann die spanischen Tercios mit einer leichten Artillerie.

oben - v.l.n.r.: französische Bandelierreiter (hintereinander), franz. Dragoner, 2 Pike & Shot (hintereinander versetzt), Rekruten-Musketiere und Veteranen Pike & Shot (ganz rechts)

  Nochmal die französische Verteidigung. Links sieht man schon die Umgruppierungen als Reaktion auf das kaiserliche Flankenmanöver.


Nochmal ein näherer Blick auf die französische Verteidigungsstellung unter den wachsamen Blicken Turennes.

Während die katholische Infantrie vorrückte, eröffnete die mittlere Artillerie das Feuer. Schon bald mussten die überlegenen franz. Bandelierreiter des Regiments Monte Christeau darunter leiden und verloren Männer und Moral.

Der kaiserliche Vormarsch


Die kaiserliche Reiterei machte ein weites schnelles Flankenmanöver um die Schanzen von der Seite anzugehen. Im Gegenzug verlegte Turenne seine Reserve, bestehend aus der zweiten Einheit Bandelierreiter und dem Rekruten-Infantrieregiment Trouville an die bedrohte Flanke.


Die spanische Infantrie kam nur langsam voran, da sie ihre leichten Kanonen in Schussreichweite schieben und ziehen mussten.

So lange wollte die kaiserliche Kavallerie nicht warten und griff die Reiter des Regiments Monte Christeau  hinter den Schanzen an. Da diese bereits durch den Artilleriebeschuss geschwächt waren und, hoch zu Ross, auch keinen Verteidigungsvorteil durch die Schanzen hatte, dauerte es nicht lange, bis sie in die Flucht geschlagen wurden. Die kaiserlichen Kürassiere Bertino brachen in die Stellung ein, kamen aber dann unter Beschuss der Reserveinfantrie Trouville und der französischen Dragoner.
Die kaiserliche Schockkavallerie Franconius griff das Rekrutenregiment an, konnte aber wegen der befestigten Stellung keine Erfolge erzielen und wurde in Unordnung zurückgetrieben. Im Gegenzug setzten die französischen Bandelierreiter Rgt. Coulbert nach und gaben den Schockkavalleristen Franconius mit gutgezieltem Karabinerfeuer den Rest, so dass sie vom Schlachtfeld flohen.
Nach kurzer Zeit waren dann auch die kaiserlichen Bertino-Kürassiere soweit durch Beschuss dezimiert, dass sie flohen.


Mittlerweile war die katholische Infanterie soweit an die Schanzen herangekommen, dass sich auf ganzer Linie ein Feuergefecht entwickelte. Es gab erste Verluste.

Die Katholischen trafen zwar wegen den Schanzen schlechter, hatten aber dafür eine größere Anzahl Schützen im Gefecht, so dass keine Seite bedeutende Vorteile erzielen konnte. Das erste span. Tercio setzte zum Sturm auf eine überlegene Pike&Shot-Einheit an, wurde aber im Nahkampf schwer dezimiert und floh vom Feld. Im Gegenzug gerieten die franz. Musketier-Rekruten des Regiments Beausejour in das Feuer des zweiten Tercios und der span. leichten Artillerie. Nachdem sich einige Verluste angehäuft hatten, räumten die Rekruten ihre Stellung und flohen in die Ortschaft. Auch die franz. Dragoner wurden zeitweise von den Schanzen vertrieben. Aber es gelang Turenne, seine fliehenden Bandelierreiter Monte Christeau zu sammeln und zusammen mit den Trouville - Rekruten die Bresche abzuriegeln. Danach konzentrierten die franz. Rekruten, Dragoner und Bandelierreiter ihr Feuer und brachen damit die erste kaiserliche Pike&Shot-Einheit vor den Schanzen. Piccolomini schickte sein Rekruten-Tercio Krabachio nach vorne, maskierte damit aber seine mittlere Artillerie, so dass die vorerst nicht mehr schießen konnte.
Beide französischen Bandelierreiter hatten mittlerweile bei der Verfolgung der kaiserlichen Infantrie die Schanzen verlassen. Ein erneuter Angriff auf die eben von Piccolomini gesammelten kaiserlichen Bertino - Kürassiere brachte diese erneut wieder zur Flucht.
Im Beschussduell der Infanterie wurde letztendlich die zweite kaiserliche Pike&Shot-Einheit doch so angeschlagen, dass es ihre französischen Gegner des Regimentes Dumas nicht mehr hinter den Schanzen hielt. Sie stürmten vor und brachen das kaiserliche Regiment, welches dann vom Schlachtfeld floh.    

Die französische Reiterei näherte sich dem kaiserlichen Tercio Krabachio, das tapfer auf die Schanzen zumarschierte. Durch die Bewegung der Franzosen hatte die kaiserliche mittlere Artillerie auf einmal wieder Schussfeld.
In der Folge gingen beide franz. Bandeliereinheiten, die bereits beide von den vorhergegangenen Kämpfen geschwächt waren, im Feuer der kaiserlichen Rekruten und Artillerie unter. Der Weg auf die Schanzen war für die kaiserlichen Rekruten frei. Außerdem gelang es Piccolomini, seine fliehenden Bertino-Kürassiere ein zweites Mal zu sammeln und nochmal ins Gefecht zu führen.
Auch die Spanier hatten einige Optionen. Durch die Flucht der franz. Musketierrekruten und dem Rückzug der Dragoner, klaffte eine ordentliche Bresche in der Verteidigung. Das nutzten sowohl ein Tercio als auch die spanischen Kürassiere aus und drangen in die Stellung ein. Da den Franzosen nicht mehr genug Zeit und Raum blieb, um die Lücke zu stopfen, entschied Turenne, dass Angriff die beste Verteidigung ist. Daher warf sich das französische Pike&Shot Veteranenregiment Champollon auf das spanische Tercio. Es entwickelte sich ein anhaltender Nahkampf, bei dem beide Seiten lange Zeit keine Vorteile erringen konnten, obwohl sich dann auch beide Oberkommandanten, Turenne und Alburquerque, ins Gemetzel stürzten. Auch das franz. Infanterieregiment Dumas kehrte von der Verfolgung der Kaiserlichen nicht wieder in die Schanze zurück, sondern stürmte auf die spanische Artillerie zu und nahm sie ein. Zu guter Letzt richteten sich die Rekruten Trouville auf die spanischen Kürassiere aus.
Die französischen Dragoner kehrten zur Schanze zurück, wichen aber vor den angreifenden kaiserlichen Bertino-Kürassieren, die sich mittlerweile wieder vollständig gesammelt hatten, etappenweise zurück. Letztendlich wurden die Dragoner von den kais. Kürassieren vom Schlachtfeld gejagt.
Das kaiserliche Rekruten-Tercio Krabachio hatte sich mittlerweile bis an die Schanzen herangearbeitet und bedrohte die Flanke der französischen Rekruteninfantrie Trouville, die verzweifelt die spanischen Kürassiere in Schach hielt. Als die jungen Franzosen unter Führung des Truppenkommandanten Verviers erkannten, dass sie bald von zwei Seiten angegriffen werden würden, bildeten sie mit vorbildlicher Disziplin einen Kreis aus Pikenieren, zwischen denen die Musketenschützen in Deckung gingen.

Der französische "Igel", links weichen die Dragoner vor den Kaiserlichen zurück, rechts bedroht das kaiserliche Tercio, während rechts oben weitere französische Infantrie zu Hilfe eilt.

So war der folgende simultane Angriff von kaiserlichem Tercio und spanischen Kürassieren weniger verheerend und die Franzosen konnten eine ganze Weile unter Verviers charismatischer Führung, stand halten. Aber dann kehrten Bertino´s Kürassiere von der Jagd auf die Dragoner zurück und warfen sich auch noch auf das Regt. Trouville. Das war dann bald doch zu viel. Die französischen Rekruten wurden aufgerieben und von der verfolgenden gegnerischen Reiterei in Grund und Boden geritten. Auch Kommandant Verviers wurde erbarmungslos niedergehauen und starb noch auf dem Schlachtfeld.  
Allerdings machte sich auf Dauer im Kampf zwischen spanischem Tercio und den französischen Veteranen Champollon dann doch die bessere Qualität bemerkbar, zumal auch das Regiment Dumas in den Kampf mit eingriff, nachdem es die spanische Artillerie außer Gefecht gesetzt hatte. So musste das Tercio immer mehr Boden preisgeben und schlussendlich fliehen. Alburquerque hatte keine befreundeten Truppen mehr in der Nähe, in deren Schutz er sich hätte begeben können und geriet in französische Kriegsgefangenschaft. Die beiden so freigesetzten französischen Infantrieregimenter warfen sich anschließend auf die kaiserlichen Krabachio -  Rekruten. Die hatten dem Ansturm nicht mehr viel entgegenzusetzen und wurden bald aufgerieben.

"Last Stand" der kaiserlichen Rekruten

So blieben den Katholiken nur noch ihre beiden angeschlagenen Kürassier-Einheiten, die eben von der Verfolgung der französischen Rekruten zurückkehrten.  Aber sie konnten auf die beiden verbleibenden französischen Infantrieeinheiten keinen Eindruck mehr machen und wurden fast sofort nachdem sie auf Schussreichweite heran waren, von gutgezieltem Musketenfeuer in Unordnung gestürzt und zerstreut. So behaupteten die Franzosen das Feld und triumphierten bei der Verteidigung von Oberehnheim.

Nach der Schlacht sammelten sich sowohl Regimenter der Kaiserlichen als auch der Franzosen, aber beide Seiten hatten hohe Verluste davongetragen und bedurften dringend der Ruhe und Wiederauffrischung.
Da sich die Kaiserlichen nach der verlorenen Kampagne aus dem Elsass zurückziehen mussten, stand ihnen ein sehr harter Winter bevor.
 
Die Auswertung der Schlacht ergab, dass sich keine von Alburquerques fliehenden Einheiten nach dem Gefecht sammelte. Alburquerques Trupp war somit ausgelöscht und sein Oberbefehlshaber in der Gefangenschaft Turenne´s. Den überlebenden Spaniern war die Lust im kalten und herbstlichen Elsass Krieg zu führen, deutlich vergangen. Sie strömten in kleineren Grüppchen wärmeren Gefilden entgegen oder ließen sich vom Feind anwerben. Nach der verlorenen Schlacht von Rocroi war wohl nun endgültig die Macht der spanischen Tercios gebrochen und es endete eine Ära spanischer Dominanz in Europa. Der Weg zum Aufstieg Frankreichs und des Sonnenkönigs war frei.