Die Kriege der Renaissance in Osteuropa

Die Kriege der Renaissance in Osteuropa

Ich trage schon seit längerem die Idee mit mir herum, mal ein Projekt aus der osteuropäischen Renaissance zu machen.
Erstens finde ich den Hintergrund und die Zeit sehr interessant, zweitens besitze ich in 15mm schon diverse potentielle gegnerische Armeen und drittens sehen Flügelhusaren einfach toll aus.
Also legte ich mich auf den 15mm-Maßstab fest. Da das erste und, realistisch betrachtet, einzige hierzu verbreitete Regelwerk Field of Glory Renaissance ist und ich das sowieso sehr gerne mag, fiel die Regelauswahl sehr leicht.
Mit dem Armeebuch "Clash of Empires" bekommt man auch Armeelisten für alle beteiligten Seiten geliefert. Also nahm ich mir bereits im letzten Jahr die Armeelisten zur Hand und berechnete mal einige kleine Starterarmeen um grob abschätzen zu können, welche Figuren ich zuerst brauchte.
Bei einer Großbestellung bei ESSEX Miniatures in 2011 habe ich mir einige polnische, russische und kossackische 15mm-Figuren bestellt und zusätzlich erstes Material besorgt (z.B. der polnische Film "Mit Feuer und Schwert" und andere DVDs).  

Nachdem die letzten Projekte (Spanischer Erbfolgekrieg in 10mm, Skraelinger für SAGA und späte Seleukiden für die FoG-Mannschaftsmeisterschaft 2012) dann ihrem Abschluss entgegen eilten, klopfte das neue Vorhaben ständig in meinem Hinterkopf an und pochte hartnäckig auf den Startschuss.
Als ich dann letztens zwei Wochen krank war und mich ja irgendwie beschäftigen musste, war es soweit. Ich hab mir noch das polnische Nationalepos "Mit Feuer und Schwert" von Henryk Sienkiewicz als Buch und auch die Computerspiel-Adaption Mount & Blade: with fire and sword bestellt und mich in den (teilweise fiktiven) Hintergrund eingespielt und eingelesen.

Zuerst wollte ich eine Armee um das Thema "Iwan den Schrecklichen" (Mitte 16. Jahrhundert) herum aufbauen. Da aber mein neues Hintergrundmaterial den Fokus (natürlich) sehr stark auf die polnisch-litauische Union, die Kosackenaufstände um 1640 - 1660 und die schwedische Invasion Polens 1655 (der 2. Nordische Krieg) legt, hab ich Iwan mal nach hinten geschoben und die Polen vorgezogen.

Bei einer ersten Sichtung konnte ich zufrieden feststellen, dass ich aus diversen älteren Projekten schon einen Grundstock an spielfertigen Miniaturen habe. So habe ich einige Mongolen, die durchaus als Krim-Tartaren durchgehen, Schweden und Deutsche des 30 jährigen Krieges, die sich nicht von denen in Polen unterscheiden, eine große Osmanen-Armee, ein klassischer Gegner der Polen und Kosacken, sowie diverse Kosacken-Reiter vom Vlad "Tepes" Dracula-Projekt.

Es fehlen also "nur" noch die Sachen, die eine polnische Armee zu einer polnischen Armee machen: Flügelhusaren (schwere Reiterei mit den berühmten Federschwingen auf dem Rücken) und Haiduken (Schützen mit Feuerwaffen zu Fuß). Da das das naheliegenste ist, fing ich mit diesen Figuren an. Die Essex-Husaren sind ziemlich fisselig, da die Schwingen und Lanzen separat mitgeliefert werden und erst an die kleinen 15mm-Figürchen gefummelt werden müssen, die Lanzen tauschte ich gegen stabileren Draht aus. So gut wie alle Bilder die ich von den Husaren gesehen habe, zeigen Wimpel an den Lanzen. Also mussten, nachdem die Figuren bemalt waren, auch noch Lanzenfähnchen gebastelt, bemalt und angeklebt werden. Das war ein relativ zeitraubender Prozess, aber ich bin mit dem Endergebnis sehr zufrieden.
Die Infanteristen waren bedeutend einfacher und brauchten bloß eine Flagge nach dem Bemalen und waren dann startklar.
Ich habe dann in dieser Zeit 8 Basen Flügelhusaren, 8 Basen Haiduken, 4 Basen Pancerni (polnische schwere Reiter ohne Schwingen) und sicherheitshalber noch 8 Basen osmanische Janitscharen und 6 Basen muskowitische Streletsi bemalt.

Nach produktiven 3 Wochen erlebten meine Truppen dann ihr Debüt auf dem Feldherren-Spieletag im Mai. Wir spielten zwei Partien Osmanen gegen Polen mit jeweils 800 Punkten und es zeigte sich, dass die polnische Reiterei der türkischen deutlich überlegen ist, aber sich vor den vielen muslimischen Schützen in acht nehmen muss. Das erste Spiel gewannen die Polen-Litauer klar, beim zweiten Spiel verloren sie nur ganz knapp.
Bei diesen Spielen griffen die Polen noch auf eine große Anzahl deutscher Söldner zurück (zwei Pike & Shot-Einheiten, jeweils eine Einheit deutsche Kürassiere und Bandelierreiter) und mussten ganz auf Artillerieunterstützung verzichten. Ich arbeite daran, dass sich das in nächster Zeit ändert. So soll der Anteil an ausländischen Söldnern immer weiter zurück gefahren und der Anteil an einheimischen Truppen vergrößert werden. Derzeit befinden sich 3 Basen polnische Dragoner in Arbeit.

Parallel dazu habe ich angefangen, auch für die Kosacken eine eigenständige Armee aufzubauen. Wie schon geschrieben, habe ich bereits 2 Einheiten berittene Kosacken und die Mongolen/Tartaren kommen hierfür als Verbündete in Frage. Es fehlt mir hauptsächlich an Fußtruppen, Artillerie und später der typischen Wagenburg (Tabor).

Frei nach Tolkien: Ich habe mich also auf die Straße begeben, weis aber noch nicht wohin mich meine Füße tragen: auf jeden Fall sind 2-3 Armeen für diesen Schauplatz geplant, es könnte daraus aber auch mal ein größeres (Convention-) Szenario werden. Hier schwirrt mir insbesondere die Idee im Kopf herum, ein Mehrspieler-Spiel zu machen, bei dem jeder Spieler ein kleine Streitmacht der Kriegsparteien übernimmt, die sich zu der Zeit auf polnisch-litauisch-ukrainischem Boden bekriegten (Polen-Litauer, Schweden, Kosacken-Rebellen, Tartaren/Osmanen). Hierbei würde jeder einzelne Missionsziele erfüllen müssen und dafür nach Gutdünken Allianzen eingehen oder Verrat an Verbündeten üben können.

Ich bin auch auf das polnische Wargame-Regelwerk "With fire and sword" gespannt, das ausschließlich diese Epoche behandelt und demnächst in englischer Übersetzung erscheinen soll. Mal sehen, welche Ideen die Polen haben um "ihren" Nationalkonflikt tabletabletop-technisch passend umzusetzen. 

 

Bildergalerie hier:

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