Die Schlacht von Lützen 1632 - Spielbericht 30jähriger Krieg

Die Schlacht von Lützen 1632 - Spielbericht 30jähriger Krieg

Historischer Hintergrund:
Nachdem Schwedenkönig Gustav II. Adolf an der Ostseeküste gelandet war und ihn sein Siegeszug quer durch das deutsche Reich führte, holte er sich bei dem Sturmangriff bei der Alten Veste von Nürnberg gegen Wallensteins kaiserliche Truppen eine blutige Nase. Wallenstein zog sich nach Norden zurück um Sachsen (zu dieser Zeit ein Verbündeter der Schweden) zu besetzen und dort zu überwintern. Gustav II. Adolf folgte mit seinem Heer und stellte im November 1632 den Generalissimo Wallenstein bei Lützen, einem kleinen Ort südlich von Leipzig, zur Schlacht. In der Nacht vor dem Gefecht rief der kaiserliche Feldherr das Korps Pappenheims zurück, das bereits in Halle an der Saale Winterquartiere bezogen hatte.
Die Schweden wollten bereits früh morgens angreifen, bevor Pappenheim die Kaiserlichen verstärken konnte. Aber dichter Nebel und Probleme beim Aufmarsch (verursacht durch einen Wasserlauf, den Floßgraben) verzögerten den Angriff, der dann erst am späten Vormittag beginnen konnte. Bereits um die Mittagszeit traf Pappenheim mit Reitertruppen ein und konnte direkt in die Schlacht eingreifen.
In kurzer Zeit wurden erst Pappenheim und danach Gustav-Adolf tödlich getroffen. Die Schlacht wogte hin und her, auf Angriff folgte Gegenangriff, jede Seite hatte Erfolge aber auch Rückschläge zu verzeichnen. Nach Anbruch der Dunkelheit zog sich Wallenstein zurück, um dann doch in Böhmen ins Winterquartier zu gehen.

Damals schon, und auch heute noch, ist unklar und umstritten, wer nun die Schlacht gewonnen hat. Wallenstein beanspruchte den Sieg, da er deutlich mehr gegnerische Fahnen erbeutet hatte, wie umgekehrt. Außerdem fiel der schwedische König und die protestantische Seite verlor damit den fähigsten und charismatischsten Anführer den sie hatte. Die Schweden fühlten sich als Sieger, da sie das Schlachtfeld behaupteten und Wallenstein zum Rückzug zwangen. Wie dem auch sei; Lützen war eine wichtige, aber keine kriegsentscheidende Schlacht, da die Schweden (zu einem guten Teil mit französischen Geldern) den Krieg weiterführen konnten und dieser ja noch 16 verheerende Jahre dauerte.

Zum Szenario:
Wir spielten das Szenario am 23.07.2011 auf dem Worean-Con auf der Wildenburg in der Eifel.
Regelwerk ist Field of Glory Renaissance  mit jeweils etwa 1.750 Punkten pro Seite.
Wir hatten etwa 750 Figuren eingesetzt, welche aus den Sammlungen von Wraith, Tabris, Rikgrund und Sorandir stammen.
Der Spieltisch hatte die Abmessungen von 1,20 m x 3,00 m und war damit der längste Spieltisch, den wir bisher im Einsatz hatten.
Wir waren zu fünft: Chris aus Stuttgart, Rikgrund und Tabris auf kaiserlicher Seite sowie Utgaard und Sorandir auf schwedischer Seite und unser Spiel dauerte ca. 7 Stunden.

Auf beiden Flanken waren massiv die Reitereien eingesetzt. Wie im Original auch, waren die schweren kaiserlichen Kürassiere eine harte Nuss für die Schweden, während die leichter gerüsteten Bandelierreiter sich (mal wieder) als die "Sollbruchstelle" herausstellten. So gelang es den Schweden auf beiden Flanken, stetige Geländegewinne und aufgeriebene Feindeinheiten zu erreichen.
Im Zentrum war die Situation etwas differenzierter. Während die hervorragenden "farbigen" Regimenter der Schweden einen fulminanten Start hinlegten und die erste kaiserliche Reihe auseinander nahmen, fraß sich der Angriff in der zweiten Reihe fest. Es gelang zwar dem gelben Elite-Regiment, wider alle Wahrscheinlichkeiten, alleine durchzubrechen und das kaiserliche Lager einzunehmen, aber ein kaiserlicher Gegenstoß im rechten Zentrum brach zwei Einheiten der zweiten schwedischen Infantrie-Linie. Auch die Windmühlen-Batterie und Lützen selbst, wurden erfolgreich von kaiserlichen Musketenschützen verteidigt, wobei die schwedischen Commanded Shot.- Einheiten bei ihren Angriffsversuchen verbluteten.
Da sich die kaiserlichen Verluste auf den Flanken aber mit der Zeit häuften und auch die erste kaiserliche Infantrie-Linie fast vollständig ausgelöscht wurde, ergab sich dann doch ein deutlicher schwedischer Sieg und ein Bruch der kaiserlichen Armee bei 33:13 Verlustpunkten.
Insofern endete die Schlacht historisch, da sich die Kaiserlichen zurück ziehen mussten. Allerdings haben bei uns alle Anführer beider Seiten überlebt :-)

Doch nun zu den Bildern von unserem Szenario:

 

Der schwedische linke Flügel unter Bernhard von Sachsen-Weimar.

Die erste Reihe besteht aus Kavallerie mit vier Einheiten commanded Shot. In der 2.Reihe die Reserve-Kavallerie.

Das schwedische Zentrum. Die 1. Reihe bilden die Veteranen der (grünen) Leib-Brigade von Sachsen-Weimar, die blaue Brigade, die gelbe Elite-Brigade und die grüne schwedische Brigade.

Die 2.Reihe besteht aus drei deutschen Regimentern, sowie Knyphausens weißer Brigade.

Der Vormarsch des rechten schwedischen Flügels (im Hintergrund), während sich kaiserliche Crabaten schon mal nasse Füße holen. Auf der rechten Seite der Schweden waren die besten Kavallerie-Einheiten platziert, z.B. die draufgängerischen finnischen Hakkapellää, die Veteranen-Kavallerie und wieder einige commanded Shot.

Die Hakkapellää (benannt nach ihrem Schlachtruf, in deutsch etwa: "Hackt sie nieder !")

Der kaiserliche linke Flügel. Ganz links außen zwei Einheiten Crabaten (leichte Reiterei vom Balkan), dann vier gestaffelte Einheiten Bandelierreiter und Kürassiere.

Das kaiserliche Zentrum. Infanterie in 3 Reihen unterstützt von zwei Kürassier-Einheiten.

Die Lepiziger Straße (oben) war von Hecken gesäumt und wurde von kaiserlichen Infanteristen vertieft um als eine Art Schützengraben zu dienen. Die Hecke wurde von kaiserlichen Musketenschützen (mittlere und leichte Infantrie) besetzt.

Blick über die kaiserlichen Truppen (links) und die Schweden (rechts). Auch der rechte kaiserliche Flügel bestand aus tiefgestaffelten Kürassier- und Arkebusier-Einheiten (unten bei den 3 Windmühlen). In der Mitte der Platte sieht man die Leipziger Straße, am unteren Bildrand den Ort Lützen.

 

Die Batterie an den Windmühlen. Hier stand, massiert und eingegraben, das schwere Feldgeschütz der Kaiserlichen, bewacht von einem Infanterie-Regiment.

Die Schweden marschieren vor und hoffen, die Kaiserlichen zu werfen, bevor Pappenheim´s Korps eintrifft. Aber der Schlachtbeginn wird durch Geländeschwierigkeiten beim Aufmarsch und dichten Nebel verzögert. Bis die Schweden angriffsbereit sind, ist es etwa 11.00 Uhr.

Bereits um 12.00 Uhr trifft Pappenheim mit seinen Berittenen ein.

Kaiserliche Musketenschützen rücken in Lützen ein...

... und verteidigen den Ort ... 

... bis zum Ende der Schlacht 

Die schwedischen commanded Shot verlassen die Kampflinie um Lützen und das befestigte Haus des Müllers anzugreifen. Es werden zwar fast alle vier Einheiten vernichtet, aber sie schützen dadurch die Flanken der Reiterei und verhindern, dass die kaiserlichen Musketenschützen weiter in die Schlacht eingreifen. 

Die Reiterei rückt daher in die Lücke zwischen Lützen und den Windmühlen, um sich den Kaiserlichen entgegen zu werfen

Schottische Söldner der Schweden versuchen, die im Haus des Müllers verschanzten Kaiserlichen zu vertreiben. Es entbrennt ein infernalischer Häuserkampf in der brennenden Ruine. Aber trotz Überzahl gelingt es den Schweden nicht, diesen Vorposten zu nehmen

Währenddessen haben im Zentrum die schwedischen farbigen Regimenter die Hecke erreicht.

Die rechte Seite des Zentrums kann das Hindernis nehmen, aber links beisst sich der Angriff fest

Die Weimarianer werden aufgerieben und den kaiserlichen Regimentern gelingt es später auch, die Reserve der 2.schwedischen Reihe zu werfen

 

Zwischen Windmühlen und Lützen entbrennt ein großes Reitergefecht, das die Schweden mit Verlusten, gewinnen

Hier ein Zwischenstand der Schlacht. Auf der linken schwedischen Flanke (unten) ist das Reitergefecht in vollem Gange. Im Zentrum stehen die Schweden (rechts) an der Straße und beide Seiten führen Reserven heran. Auf der rechten Flanke (oben) ist es außer bei den plänkelnden Crabaten noch zu keinem erntszunehmenden Zusammenstoß der Gegner gekommen.

Auf der anderen Seite des Schlachtfeldes kam die Schlacht etwas langsamer in Gang, da beide Seiten am Floßgraben zunächst vorsichtig manövrierten. Aber dann führte König Gustav II. Adolf (mitte-links) seine Truppen doch noch ins Gemetzel.

Etwas mehr vom Schlachtenglück begünstigt, gelang es den Schweden die Oberhand zu gewinnen. Siegreiche Einheiten können die Flanke noch im Nahkampf befindlicher Kürassiere bedrohen

Einige Zeit später flieht eine der letzten Kürassier-Einheiten vom Feld

 

Der Spieltisch nach geschlagenem Gefecht

Trotz einer relativ langen Spieldauer von sieben Stunden, haben alle Beteiligten bestätigt, dass  das Spiel niemals langweilig oder zäh wurde. Insofern hat sich Field of Glory Renaissance für mich auch bei großen Schlachten (wir hatten die 2,25-fache Größe eines Standardspieles) bewährt.  
Es hat sich einmal mehr gezeigt, dass die gustavsche schwedische Armee hart ist und viel Schaden anrichten kann. Trotzdem wurde mehrmals festgestellt, dass der deutliche Sieg auch hätte anders ausgehen können und mit ein wenig mehr Würfelglück für die Kaiserlichen auch ein besseres Ergebnis drin gewesen wäre.

Größere Bilder gibt es in der Galerie, hier:

http://www.kurpfalz-feldherren.de/fotogalerie/l%C3%BCtzen-1632