Donnybrook-Spielbericht: Piraten der Karibik

Donnybrook-Spielbericht: Piraten der Karibik

Die warmen Tage der letzten Zeit haben angeregt, sich auch spieltechnisch sonnigen Gefilden zuzuwenden. Willkommen daher in der wunderschönen Karibik zur (nicht so wunderschönen) Blütezeit der Piraterie.

Die Miniaturen sind von Foundry, Perry und Warlord Games.

Gelände und Spielplatten habe ich selbst gebaut.

Regelwerk ist Donnybrook.

Hintergrund
Henry Morgan ist mit seinen Bukanieren auf Hispaniola gelandet und bereitet sich auf weitere Überfälle auf das Spanish Main vor.
Da noch auf weitere Freibeuterschiffe gewartet werden muss, nutzen die Piraten die Zeit um die ersten Opfer zu begraben, die auf der Überfahrt, wegen Kampfhandlungen mit Spaniern, durch Krankheit und Mangelernährung oder exzessivem Alkoholmissbrauch, angefallen sind.
Außerdem hat ein alter betrunkener Seebär in einer Taverne von Port Royal etwas von einem vergrabenen Schatz in der Ruine einer alten spanischen Kapelle erzählt. Diesem Gerücht gilt es natürlich nachzugehen.
Die Spanier haben davon Wind bekommen, dass Freibeuter an ihrer Küste gelandet sind. Außerdem sind sie aufgebracht, dass in ihrer heiligen Erde Tote der Ketzer nach dem verwerflichen protestantischen Ketzer-Ritus bestattet werden sollen. Dies gilt es zu unterbinden.

Missionsziele:
Die Piraten müssen die alte spanische Kapelle einnehmen (Hauptmission) und das Begräbnis ihrer Toten beschützen (Nebenmission) .
Die Spanier müssen das Begräbnisritual verhindern und hierzu den/die protestantischen Prediger ausschalten (Hauptmission). Außerdem gilt es den geweihten Boden der Kapelle vor den schmutzigen Füßen der Buccaneros zu verteidigen (Nebenmission).

Der Prediger beim Bestatten der Toten

Die Truppen:

Piraten:
Käpt´n Henry Morgan - Hero
Käpt´n Mynheer Tromp - Hero
Prediger - Hero
8 Freibeuter-Musketenschützen - dril
led
8 Freibeuter-Nahkämpfer - drilled
3 berittene schottische Veteranen - Elite
2 Piratenkapitäne (Elite) mit zwei Musikern - drilled
4 Bukaniere mit Spezialwaffen (Granaten, Donnerbüchse, schwere Axt) - drilled

Spanier:
Capitan Braghado - Hero
Locotenente Pirez - Hero
8 Pike & Shot (4 Piken, 3 Musketenschützen, 1 Sergeante) - drilled
8 Musketenschützen - drilled
4 Elite-Musketenschützen - Elite
4 Sword&Buckler-Kämpfer - Elite
6 Pistolenreiter - drilled
8 Indios mit Bögen - drilled

Szenarioregeln:
1. eine zufällige Einheit der Piraten besetzt die Barrikaden an der Straße
2. eine zufällige Einheit der Spanier besetzt die Ruine der Kapelle
3. ein Prediger befindet sich bereits auf dem Friedhof beim Begräbnis. Er ist keine Spielfigur, kann also nicht bewegen oder etwas anderes machen, als seinen Sermon herunterleiern.
4. wenn die Einheitenkarte der Indios zum 1.Mal aufgedeckt wird, dürfen sie sich beliebig auf dem Spielfeld aufstellen, müssen aber mindestens 12 Zoll von jeder gegnerischen Einheit entfernt und nicht in deren Sichtbereich sein
5. jede Seite hat vier Aufstellungspunkte an den eigenen Spielfeldkanten. Wenn Einheitenkarten gezogen werden, wird der betreffende Aufstellungspunkt mit W4 zufällig ermittelt
6. Das Spiel ist beendet, wenn eine Seite ihre Hauptmission erfüllt hat oder vom Spielfeld fliehen muss.

 

Nach der Landung auf Hispaniola gibt es zunächst unterschiedliche Meinungen zwischen Käpt´n Morgan (links) und Käpt´n Tromp (rechts), welcher Weg zu nehmen ist.

Das Spiel:
Wir würfelten aus, wer welche Seite spielt und so kam ich zu den Spaniern, während mein Bruder die Piraten übernahm.
Die ersten Spielzüge wurden damit zugebracht, die Truppen an zufälligen Punkten ins Spiel zu würfeln und erste Bewegungen auszuführen.
Die Aufstellungspunkte lagen fast alle in unwegsamen Gelände. Dadurch dauerte es entsprechend lange, bis die Einheiten sich aus dem Dschungel heraus gekämpft hatten, um im Offenen schneller bewegen zu können.


Ich beließ meine Musketeneinheiten in der Ruine.

Rechts versuchte ich schnell mit den Indios und meiner Reiterei vorzurücken. Das zufällige Aufstellen hat ergeben, dass auf dieser Seite sich alle drei gegnerische Charaktere befanden, die sehr verwundbar waren, da keine Einheit in der Nähe war, denen sie sich hätten anschließen können. Außerdem war hier das Gelände insgesamt etwas freier. Trotzdem brauchten meine Einheiten immer noch lange um durch die ersten Geländeteile zu kommen.
Die Piraten ballten sich durch die zufällige Aufstellung fast alle auf meiner linken Seite und rückten in einem durcheinanderfließenden und chaotischen Mob vor. Dummerweise traf an dieser Stelle auch mein Befehlshaber alleine ein, der schleunigst weglief um zu den eigenen Linien zu gelangen.
Dann begann die gnadenlose Härte der zufällig erwürfelten Ereignisse ("Events"). Die Nahkämpfer der Piraten fanden einen im Unterholz versteckten Sack voll wertvollem Kirchengeschirr. Sie brauchten eine Runde zum Einsammeln, waren dann aber entschlossen, ihre Reichtümer bis zum letzten zu schützen (und würden daher einen +2 Faktor auf alle kommenden Nahkämpfe erhalten.)


Die Musketenschützen der Piraten besetzen die verlassene Barrikade. Dahinter die Nahkämpfer der Piraten, die vor kurzem so unverhofft zu Reichtum gekommen sind.

Alle meine Einheiten waren ersteinmal zu weit weg, bis auf die Pike&Shot.

Die Pike&Shot-Einheit rückt langsam die Straße entlang ...

... unter den strengen Befehlen ihres Sergeanten.

Durch eine Ereigniskarte wurden sie ungeordnet und konnten einige Runden nicht auf die annähernden Piraten reagieren. Als diese dann zuschlugen (man erinnere sich an den Nahkampfbonus), half auch die lange Reichweite der Piken nichts ("first strike") und sie wurden niedergemacht.

Der wilde Angriff der Piraten

Auch Capitan Braghado war noch zu sehr außer Puste und wurde von einem Pistolenkolben bewusstlos geschlagen, noch bevor er mit seinem Schwert parieren konnte. Meine Infantrie verpatzte den anschließenden Moraltest und floh. Natürlich war sie ganz um das Wohl ihres betäubten Kommandanten besorgt und trug auch diesen vom Schlachtfeld.


Der spanische Oberbefehlshaber (oben rechts) kurz vor seiner Verwundung.

Kaum waren meine Sword&Buckler-Leute aus dem Dschungel gestolpert, wurden sie von den berittenen Truppen der Freibeuter angegriffen. Diese feuerten ihre Pistolen im Anritt ab und erlegten 3 Mann. Der letzte verbliebene verschwand unter wirbelnden Pferdehufen. Meine linke Seite war damit weg.

Meine beiden Einheiten Musketenschützen in der Ruine waren von dem Kampflärm von der anderen Dschungelseite so beeindruckt, dass sie beschlossen, ihre Deckung nicht zu verlassen und auf jeden zu schießen, der sich blicken lässt. Aber die Piraten kamen nicht ...
 

Mein spanischer Locotenente hatte sich den Indios angeschlossen, um sie im Nahkampf unterstützen zu können. Ein weiteres Ereignis besagte, dass der nächste Hero, der aufgedeckt wird, beschließt sein Leben zu retten und das Feld quittieren wird. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt nur noch 1 Hero auf dem Feld, mein Gegner deren 3. Ich war also ob dieser Wahrscheinlichkeit guter Dinge...
Was soll ich sagen... mein spanischer Locotenente sitzt heute im Schaukelstuhl und erzählt seinen Enkeln Piratengeschichten...
 

Währenddessen schlichen meine Indios durch den Dschungel und beschossen die Freibeuter-Spezialisten an der Straßenbarrikade. Sie trafen dabei so gut, dass diese ihr Heil in der Flucht suchten.
Als die Einheit der Piratenkapitäne mit ihren Leib-Musikern herangestürmt kam, nahmen die Indios hinter einer Hecke Deckung und erstachen von dort drei der Angreifer. Der verbliebene kleine Trommler behielt aber die Nerven und zog sich geordnet zurück.  
Damit war der Enthusiasmus der Indios aufgebraucht. Sie trafen nichts mehr mit ihren Bögen und einer von ihnen erlag dem Biss einer Giftschlange (ein weiteres zufälliges Ereignis).

Argwöhnisch beobachten die Indios die spanische Reiterei. Die Gemetzel der vergangenen Jahrzehnte sind noch nicht vergessen. Aber jetzt sind sie verbündet und müssen sich miteinander arrangieren.

Indios im Fernkampfduell mit Musketenschützen der Piraten. Beide Seiten profitieren von ihrer Deckung. Aber oben rechts nähern sich die berittenen Verbündeten der Freibeuter.

Nachdem die Berittenen der Freibeuter meine Sword&Buckler-Kämpfer verfrühstückt hatten, galoppierten sie zur Tischmitte zurück und blieben rotzfrech vor den Indios stehen. Sie hatten damit hoch gepokert, behielten aber das Glück des Tapferen und konnten die Indios angreifen, bevor diese auf sie schießen konnten. In einer Kombination aus vorbereitendem Pistolenfeuer und gutgezielten Säbelhieben erschlugen sie ohne eigene Verluste einige der halbnackten Wilden. Ich verpatzte auch diesen Moraltest, die Indios machten sich auf und davon.  
Meine Reiterei brauchte lange um ihre Pferde aus dem dichten Busch zu führen und über die Ebene zu preschen. Das gab den Piraten-Charaktermodellen genug Zeit, sich in Sicherheit zu bringen. Als die Indios flohen, war die Flanke meiner Reiter weit offen. Die Piraten agierten geschickt, in dem sie meine Reiterei frontal mit den beiden Helden Morgan und Tromp angriffen und sie so im Nahkampf banden. Dies gab ihren Berittenen wiederum die Zeit, meine Reiter von der Seite anzugreifen.

Die spanische Reiterei in prekärer Situation: vorne verstellen ihnen zwei formidable Piratenkapitäne den Weg, von der Seite nähern sich feindliche Reiter.

Im anschließenden Handgemenge blieb nicht mehr viel von meinen Reitern übrig.

Der Überlebende floh in den dichten Dschungel und benachrichtigten unterwegs meine Musketenschützen in der Ruine, dass alles verloren ist. Daraufhin verließen auch meine letzten Truppen das Feld.

Nachbetrachtung
Es war wieder ein sehr stimmiges Donnybrook Spiel. Erstmals hatte ich ziemlich viel Gelände eingesetzt. Dadurch war der Anfang etwas zäh, da sich die meisten Einheiten erst lange durch den Busch quälen mussten. Auch die Musketen konnten ihr Potential nicht voll entfalten, da sie nicht bewegen und schießen dürfen. Da waren die Bögen der Indios schon im Vorteil.
Obwohl wir die Häufigkeit der Event-Karten eingeschränkt hatten, ist doch der Anteil am Spiel nicht zu leugnen. Vielleicht aber auch vor allem deshalb, da alle negativen Events mich und positive Events die Piraten betrafen. Natürlich sollten Ereignisse im Normalfall gerechter verteilt sein, ist aber halt Zufall.
Später wurde das Spiel sehr spannend und wir fieberten jeder neuen Aktivierungskarte entgegen, da dann schon sehr wichtig war, wer zuerst seine Einheiten aktivieren kann.
Zwar wurde das Spiel wieder durch einen Army-Rout entschieden und nicht durch Erreichen eines Missionszieles, aber trotzdem war der Verlauf des Spiels schön erzählerisch, abwechslungsreich und fast schon cineastisch.

Epilog
Als die Sonne ihre letzten Strahlen über den Horizont schickte, dachte Käpt´n Henry Morgan wütend, dass dieses Herumgescharre in der Kapellenruine reine Zeitverschwendung ist. Sein Blick schweifte über den tief umgegrabenen Kirchenboden und zu den schwitzenden schlammverkrusteten Oberkörpern seiner Filibustiere. Hier war kein Schatz vergraben, und wenn es ihn doch gab, war es ihnen nicht bestimmt, ihn zu finden.
Diese Schatzkarte war die Menschenhaut nicht wert, auf die sie aufgemalt war.
Das Scharmützel mit den Spaniern hatte nur unnötig Verluste unter seiner Mannschaft und verschwendetes Schießpulver gekostet. Er stellte fest, dass wieder einmal die Gier seine Vernunft bezwungen hatte und er wusste nicht, ob er sich mehr über diesen besoffenen Hurensohn in der Taverne in Port Royal, oder über sich selbst ärgern sollte.
Er spürte, dass er seinen Groll vergessen machen musste, sonst würde er daran ersticken. Er beschloss nach Tortuga zu segeln. Dort würden Rum und Weiber ihn schon auf andere Gedanken bringen...    

 

Nachwort:

In wenigen Wochen wird Henry Morgan und seine Spießgesellen Tortuga unsicher machen. Was er dort erlebt und wie sich die weiteren Ereignisse zutragen, wird dann hier zu lesen sein. Bleiben sie dran ...