Field of Glory Renaissance: Spielbericht Piraten gegen koloniale Spanier

 
"Die Bruderschaft der Küste"
Spielbericht Piraten gegen koloniale Spanier
 
 
Am 6.April 2013 fand in Braubach ein Field of Glory-Renaissance Spieletag des Koblenzer Tabletop-Clubs statt. Ich nutzte die Gelegenheit um mit Killing Zoe (im Folgenden Don Piedro genannt) ein Spiel auszumachen, in dem er seine kolonialen Spanier gegen meine Bukaniere führte.

Hier nun der höchst wahrliche und getreuhliche Spielbericht (*Piratenehrenwort*):
 

Samstagmorgens halb elf in der Karibik:
Henry Morgan of Glenmorganshire hat die sogenannten Bukaniere der "Bruderschaft der Küste" um sich gesammelt um die spanischen Besitzungen in Neu-Spanien (dem heutigen Mexico) anzugreifen.
Gestern Abend hat er noch reichlich "Käpt´n Morgan"-Rum an seine Leute verteilt und ihnen gesagt, dass sie ihn für die grandiose Siegesfeier am nächsten Tag brauchen werden.


 

Die Piratenanführer (v.l.n.r.): Henry Morgan, der spätere Gouveneur von Jamaika, Käpt´n Henry Avery,

Käpt´n Bartholomew Roberts ("Black Bart")
 

Aber wie Piraten nun mal so sind, hat die eine Hälfte der Mannschaft sofort den kompletten Rum leergesoffen und ist lallend und betrunken im Dschungel eingeschlafen, während die andere Hälfte keinen Tropfen anrührte und sich schlaflos in der feuchtschwülen tropischen Nacht wälzte.
Der Lärm der vorgezogenen Siegesfeier alarmierte Don Piedro, den Befehlshaber der hiesigen spanischen Kolonialisten. Er trommelte seine Miliz zusammen und rief die benachbarten Indiostämme auf, sich ihm zur Verteidigung der Ländereien Ihrer allerkatholischsten (nicht "alleralkoholischsten" !) Majestäten anzuschließen.
Die Spanier gewannen also die Initiative und suchten sich ein Schlachtfeld aus, das mit 3 Dschungel-Geländeteilen die Aufstellungszone der Bukanier arg einschnürte (es gelang mir nicht, auch nur eines davon zu verschieben oder wegzuwürfeln.)

Die Anfangsaufstellung der Spanier:
ganz oben (nicht im Bild) leichte Indio-Fussgänger mit Bögen, dann 3 Pike&Shot-Einheiten mit einer Warrior-Einheit der Ureinwohner. Aus dem Waldstück im Zentrum kamen zwei weitere Warrior-Einheiten (hier noch unter den Hinterhalt-Marker verborgen) und eine Einheit leichte Infantrie mit Schleudern. Dahinter noch eine Warrior-Einheit (wieviele Indios gibts eigentlich in Mexico ?), nochmal spanische Pike&Shot und die beiden spanischen Reitereien ganz unten.  
 

Von den Trommeln der heranziehenden Spanier geweckt, nahmen die verschlafenen Piraten ihre improvisierte Schlachtaufstellung ein. Da sie nicht genau wussten was sie erwartete, blieben sie immer schön beieinander und stellten sich schmal und tief gestaffelt auf.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Anfangsaufstellung der Bukanier: rechts sieht man zwei Pirateneinheiten im 90° Winkel zum Rest der Armee (bei der Aufstellung muss Infanterie 12 Zoll zu den Seitenkanten einhalten). Diese werden später die rechte Lücke zwischen Dschungel und Spielfeldrand schließen und dabei kläglich untergehen. Hinter dem Dschungel steht der Rest der Armee, vor dem Zentrum die beiden Schiffsgeschütze, ganz links die leichten Truppen (Musketen-Plänkler und Dragoner, nicht im Bild).

In den ersten Spielzügen taten die Piraten nicht viel mehr als sich grob auf den Gegner auszurichten. Die rechte Flanke schwenkte weiter nach vorne, um die Lücke zwischen Dschungel und Spielfeldrand zu schließen.

Don Piedro versteckte zwei große Indio-Einheiten in dem einzigen Waldstück, das sich in seiner Spielfeldhälfte befand.

Auf der linken Flanke preschten die berittenen Bukaniere (eigentlich Pferdediebe, spieltechnisch Dragoner) vor, wurden aber bald von gutgezielten Giftpfeilen der leichten Infantrie der Indios in Unordnung geschossen und mussten zurück, um sich neu zu sammeln.
Die Spanier mit ihren Verbündeten marschierten gemächlich vor und ordneten ihre Reihen. Die leichte Infantrie der Indios mit Schleudern hastete in den rechten Urwald und vertrieb dort mit Granaten bewaffnete Piraten.

Buccaners with Grenadoes: ein billiger und ziemlich unnützer Truppentyp, aber zu cool um ihn nicht zu haben.
Es handelt sich um "Umbauten". Die Figuren sind eigentlich unbewaffnet, als Granaten habe ich die Kugeln von Tintenpatronen genommen.

Die beiden Indio-Einheiten im Zentrum brachen aus ihrem Hinterhalt hervor und sprinteten über die freie Fläche in den gerade eroberten Wald. Dabei wurden sie permanent von den zwei Schiffskanonen beschossen. Aber entweder die verkaterten Kanoniere trafen nichts, oder die Indios machten sich nichts daraus. Jedenfalls blieb der Kanonenbeschuss ohne nachhaltige Wirkung.
Käpt´n Avery hatte mit seinen Veteranen hinter dem rechten Urwald Stellung bezogen und versuchte mehrmals, diese so zu verbreitern, dass sie die gesamte Lücke abdeckten. Aber die Veteranen waren noch zu besoffen oder zu nüchtern um so ein vermeintlich kompliziertes Manöver auszuführen und taten daher lange Zeit gar nichts !
Immerhin sahen sie für die Indios bedrohlich genug aus, damit diese nicht weiter vorgingen bzw. immer wenn einer von ihnen die Nase aus dem Busch steckte, hagelte es (schlechtgezieltes) Musketenfeuer.  
Die beiden Pirateneinheiten auf der rechten Flanke lehnten sich zunächst auf ihre Musketenläufe, einige gem ütlich, andere verkatert und mit dem Mageninhalt kämpfend. Sie waren zuversichtlich, die beiden spanischen Reitereien mit ein oder zwei Musketensalven dezimieren und vertreiben zu können. Als sie aber die Indiokrieger sahen, die sich daran machten die Reiterei zu unterstützen, zeigten sich bei vielen Sorgenfalten über den   rotgeränderten Augen.


Die Indios im Dschungel werden in Schach gehalten, während sich oben die spanischen Caballeros für die Attacke bereitmachen.

Die Piraten im Zentrum hatten lange nicht viel zu tun und konnten noch eine Weile ihren Kater kurieren.
Auf der linken Flanke sahen die Musketen-Plänkler, dass die Dragoner alleine nichts gegen die Indios mit ihren steinzeitlichen Schusswaffen rissen. Sie drehten daher nach links um, trabten den Indios entgegen und nahmen sie stetig unter Feuer. Bald zeigte der Beschuss Wirkung und die Indios waren im Rückwärtsgang. Einige Zeit später hatten sie so viele Verluste angesammelt, dass die Einheit brach und vom Schlachtfeld floh (was dann auch meine einzigen Siegpunkte waren).
Die berittenen Bukaniere hatten also ihre eigentliche Aufgabe, ganz zurückhaltend, von den Musketen-Plänklern erledigen lassen. Da stieg einem von ihnen leichter Weingeruch in die Nase und die Dragoner machten sich auf in Richtung des spanischen Lagers. Wären sie nüchtern gewesen, hätten sie erkannt, dass es aussichtslos war, das Lager noch rechtzeitig zu erreichen, bevor rechts und im Zentrum die Entscheidung fiel.  


 

Zwischenstand: Die Bukanier stehen links, vom Dschungel ist aufgrund extensiver Bewegungen nur noch eine Palme zu sehen, oben rechts nähert sich zögerlich die spanische Infantrie, und im oberen Wald schleichen sich Indiokrieger durch den Busch.

Zwischenzeitlich hatte Don Piedro, von den Piraten fast gänzlich unbehelligt, in Ruhe seine Marschbewegungen und Umformierungen abgeschlossen und seine Schwerpunkte dort gebildet, wo er sie haben wollte.
Schwer wie ein Hammer fiel seine Reiterattacke auf die Bukaniere an der ganz rechten Flanke. Es war ihnen natürlich (!) nicht wie beabsichtigt gelungen, die Reiter mit ihrem Musketenbeschuss in Schach zu halten. Dafür waren die Schützen zu betrunken oder zu nüchtern (und die Würfel einfach zu schlecht. Außerdem zog die Einheit Indiokrieger, die die Reiter begleitete, wichtigen Beschuss teilweise auf sich, so dass nirgends genug Treffer zusammen kamen, um die Spanier zu beeindrucken).
Die spanischen Lanzenreiter galoppierten los und eine Einheit schnapsumnebelter Bukaniere verschwand unter ihren Hufen. Im Kampfgetümmel wurde auch Käpt´n "Black Bart" Roberts, der gerade dabei war eine letzte Buddel voll Rum zu entkorken, von einer Lanze aufgespiesst. Der Anblick  ihres sterbenden Anführers (...oder des im Sand versickernden Schnapses ?) war für die umstehenden Bukaniere kaum zu ertragen und als dann noch die Indiokrieger in den Nahkampf mit eingriffen, rannten die Seeräuber ernüchtert und überwältigt panikartig davon, nur um von der spanischen Kavallerie vollends niedergeritten zu werden.
Innerhalb weniger Minuten war die rechte Flanke ausgelöscht und das Zentrum lag den Spaniern zu Füßen wie eine reife Frucht.
In den Reihen der Seeräuber griff die Verzweiflung um sich. Die Schlacht war nicht mehr zu gewinnen, also galt es, wenigstens noch ehrenvoll unterzugehen (bzw. doch noch auf ein Quentchen Fortuna zu erhoffen).  Mit diesen Gedanken führte Henry Avery seine Piraten-Veteranen in den Angriff auf die Indiokrieger im rechten Dschungel, auch wenn diese mehr als doppelt überlegen waren. Zunächst gelang ihm sogar ein Überraschungserfolg, als eine der beiden gegnerischen Einheiten auch prompt ungeordnet wurde. Aber schon nach kurzer Zeit zahlte sich die Masse der Indios aus und auch Avery´s Trupp wurde schwer dezimiert und an den Rand der Flucht gebracht.

Avery´s Verzweiflungsangriff gegen Massen von Indios.

Etwas links hatte sich eine Horde Indiokrieger durch den Dschungel geschlichen und bedrohte die Flanke des Zentrums. Henry Morgan kommandierte eine Einheit Bukaniere ab, die er vorsorglich in Reserve gehalten hatte (ja der Mann hat auch manchmal helle Momente). Sie stellten sich am Urwaldrand den Wilden entgegen und sicherten die Zentrumsflanke. Die Indios zögerten nicht lange und griffen die Bukaniere an, obwohl sie durch das Gelände ungeordnet waren, während die Europäer geordnet im Offenen standen. Man hätte meinen können, dass das gut für die Seeräuber aussah, aber weit gefehlt. Erstaunt merkten die Piraten, dass eine Schnapsfahne und ein herumgefuchteltes Entermesser nicht ausreicht, einen Indio mit einer Holzkeule, in die kleine Steinsplitter eingelassen sind, zu vertreiben. Nach einigen katastrophal schlechten Würfeln waren die Bukaniere so gut wie gebrochen und nahe am Weinen.

Unerwarteterweise zerlegen die Indios die Bukaniere im offenen Gelände. Oben gehen auch die Piratenmusketiere langsam unter und machen keinerlei Eindruck auf die Spanier.

Im Zentrum kamen die Spanier letztendlich doch auf Schussweite heran und es entspann sich ein anhaltendes Feuergefecht, in dem (natürlich !) wieder die Seeräuber den Kürzeren zogen. Eine Einheit wurde durch gegnerisches Arkebusenfeuer schwer erschüttert, während im Gegenzug die Spanier alle negativen Auswirkungen der Freibeuterkugeln geflissentlich ignorierten.

Das Ende. Avery kämpft im Dschungel auf verlorenem Posten, links pressen die Spanier und rechts schwenkt der komplette spanische Flügel auf das Piraten-Zentrum ein.

Zu diesem Zeitpunkt nahm sich Henry Morgan die Zeit einen Blick über das Schlachtfeld zu werfen. Links wankten seine Männer vor den Indios, das Zentrum war durch spanischen Beschuss kurz vorm Weglaufen, Avery´s Männer im Dschungel standen ebenfalls kurz vor der Kapitulation, die rechte Flanke war pulverisiert und das eigene (Schnaps-) Lager in Reichweite der spanischen Caballeros. Mit einem tiefen Seufzer begann er in Richtung seiner Schiffe zu laufen und gab lauthals die Losung aus: "Rette sich wer kann". Der Rest der Bukanier-Armee wandte sich zur Flucht und gab den Tag und die Schlacht verloren.
Das "Spanish Main" war wieder ein wenig sicherer, aber auch wieder ein wenig langweiliger geworden.    
   
Nachwort:
Die meisten werden es gemerkt haben: das obige alkoholschwangere Geschwafel soll natürlich nur darüber hinwegtäuschen, dass ich in diesem Spiel keine klare Gewinnstrategie hatte und auch nie die Initiative ergreifen wollte oder konnte, um den Gegner unter Druck zu setzen. Als dann noch unterirdisches Würfelpech dazu kam, war der Ausgang des Spiels absehbar.
Natürlich war ich in der Entfaltung meiner Armee durch das Gelände sehr gehemmt. Außerdem haben die Bukaniere auf Berittene kaum eine Antwort, da sie keine Piken (mehr) haben und (noch) keine Bajonette.
Aber Zurücklehnen und darauf zu warten, dass der Gegner einen Fehler macht (überhaupt wenn man gegen einen der besten FOG-Spieler Deutschlands spielt) ist halt trotzdem auch ein bischen wenig.  

In diesem Sinne: "Trinkt aus Piraten joho !!"