Field of Glory-Spielbericht: Antiochia 1098 (1.Kreuzzug)

Spielbericht: Die Schlacht von Antiochia 1098 (1.Kreuzzug)

Historischer Hintergrund:
Bei Antiochia in Syrien wäre der 1.Kreuzzug beinahe gescheitert. Das europäische Kreuzfahrerheer hatte sich den langen Weg durch Osteuropa, Byzanz und Kleinasien gequält, ständig geplagt von Versorgungsschwierigkeiten, unzureichender Planung und Vorbereitung, Streitigkeiten unter ihren Anführern und regelmäßigen Angriffen durch die Sarazenen. Mit letzter Kraft, und vor allem durch Verrat, eroberten sie die große Stadt Antiochia in Syrien. Nur die Zitadelle war noch in muslimischer Hand.
Kaum war die Belagerung gewonnen, brachen erneut die unseligen Streitigkeiten unter den Anführern der Kreuzritter aus. Einige wollten sofort weiterziehen um Jerusalem zu erobern (was ja der eigentliche Grund des Kreuzzuges ist), andere wollten warten bis Verst ärkung aus Europa kommt, Normannenfürst Bohemund von Tarent betrachtete Antiochia als sein neues Königreich und erklärte rundheraus hierzubleiben, während andere Bohemund das Feld nicht überlassen wollten und ihren Weitermarsch nach Jerusalem von Bohemunds Weitermarsch abhängig machten. So verloren die Kreuzfahrer viel wichtige Zeit.
Kerboga, der Atabeg von Mossul, sammelte während dessen ein großes Heer verschiedener muslimischer Völker und Stämme, um die Stadt zurück zu erobern. Er begann nun seinerseits, Antiochia zu belagern.
Da sich die ohnehin schlechte Versorgungslage immer weiter verschlimmerte, stand das Kreuzzugsheer bald vor der Wahl zu kämpfen oder zu verhungern.
Als unter dubiosen (oder glücklichen) Umständen unter einem Kirchenboden die Heilige Lanze gefunden wurde, hob sich die Moral der Kreuzfahrer etwas und man unternahm einen verzweifelten Angriff auf die Belagerungsarmee.
Zum Glück für die Kreuzfahrer waren die Muslime fast genauso zerstritten wie die Christen und die Moral ihrer Armee war nicht gut. Als Kebogha sah, dass der christliche Ausfall erfolgreich war, verweigerte er seinen bedrängten Verbündeten die Unterstützung, gab die Belagerung auf und zog mit seinen Truppen ab. Für die Kreuzfahrer war der weitere Weg nach Jerusalem frei.

Das Szenario:
Die Muslime haben einen weiten Belagerungsring um die Stadt gezogen. Daher dauert es eine Zeit, bis andere Teile der Belagerungstruppen aus ihren Stellungen um die Stadt auf dem Schlachtfeld eintreffen.
Die Kreuzfahrer können einen konzentrierten Angriff auf das muslimische Hauptlager führen.
Die Sarazenen sind in der Anzahl der Einheiten etwa doppelt überlegen, allerdings haben sie hauptsächlich leichte und mittlere Reiterei und schlechte Infantrie.
Da der bisherige Kreuzzug und die Belagerung vielen Pferden das Leben gekostet hat, haben die Kreuzfahrer nur eine aufgesessene Rittereinheit, die restlichen Ritter kämpfen zu Fuß.
Sie haben daher fast nur schwere Infantrie, die es aber frontal mit jeder muslimischen Einheit aufnehmen kann.

Siegbedingungen:
Die Sarazenen müssen das Kreuzfahrerheer besiegen und hierzu 5 der 10 christlichen Einheiten aufreiben.
Die Kreuzfahrer gewinnen, wenn sie das befestigte gegnerische Lager einnehmen (normalerweise können die Kreuzfahrer die Sarazenen nicht im offenen Gefecht aufreiben, da die Infantrie fiel zu schwerfällig ist, um die vielen leichten muslimischen Reiter zum Nahkampf zu stellen)  

Das Spiel:
Wir würfelten die Seiten aus und ich bekam so die Kreuzfahrer.
Ich stellte sie am vordersten Rand meiner Aufstellungszone auf, um möglichst schnell am muslimischen Lager anzukommen. Da bekannt ist, dass in der 2.Runde ein Angriff der Sarazenen auf meinen Rücken erfolgt (gegnerische Truppen, die von einem anderen Teil des Belagerungsringes auf dem Schlachtfeld eintreffen), hielt ich 3 Einheiten Speerträger hinter meiner Hauptkampflinie. Bohemund von Tarent (ein inspired Commander) stellte ich in die Mitte meiner Armee, damit möglichst viele Einheiten von seiner moralischen Unterstützung profitieren konnten.  
Frank deckte sein Lager mit einer Einheit leichter Reiter und brachte rechts und links davon seine restlichen Truppen des Kontingents aus Homs ins Spiel.
Im 1.Spielzug marschierte ich vor so schnell es ging. Der darauf folgende syrische Beschuss war teils nur schwach oder Bohemunds warnender Blick vereitelte schlimmere Folgen bei den Truppen.
Im 2. Spielzug trafen die Truppen des Emirs von Damaskus in meinem Rücken ein. Es handelte sich um 4 Reitereinheiten, die jeweils zu zweit auf das rechte und linke Ende meiner Schlachtreihe zuhielten. Meine Infantrie der 2.Reihe machte sich langsam auf den beschwerlichen Weg, die schnellen Reiter einzuholen. Im Verlauf der Schlacht wurde von diesen drei Einheiten eine von den Sarazenen zusammengeschossen, eine lief ewig den Sarazenen hinterher und die 3.Einheit tat im wesentlichen gar nichts sinnvolles.

Der 2. Spielzug. Unten ist Antiochia mit dem Brückentor. Mitte links die Kampflinie der Kreuzfahrer, dahinter die (vermeintliche) Rückendeckung. Ganz links der "Rücken"-Marsch des Emirs von Damaskus. Rechts die Alliierten von Homs und das Lager der Sarazenen.

Nochmal das ganze aus muslimischer Sicht.

Zwischenzeitlich traf dann meine übrige schwere Infantrie und Kavallerie auf den Gegner und fing an, diesen im Nahkampf zu bearbeiten. Während auf der linken Seite eine Einheit abgesessene Ritter in aller Eile syrische  Bogenschützen zerlegte und meine Ritter hoch zu Ross gegnerische Lanzenreiter niederhieben, kam mein Zentrum langsamer voran. Erst der persönliche Einsatz Bohemunds war nötig, damit auch hier der Gegner brach. Rechts bot sich ein ganz anderes Bild. Hier war es meiner 2.Einheit abgesessener Ritter wider alle Wahrscheinlichkeit nicht gelungen, schwache Bogenschützen frontal zu bezwingen. Der Angriff geriet ins Stocken und fraß sich dann fest. Zwischenzeitlich stießen die Lanzenreiter aus Damsakus schnell in meinem Rücken vor, ohne dass meine langsamen Speerträger der 2.Reihe sie abfangen konnten. Um den Rücken der kämpfenden Fußritter zu decken, drehte sich eine Einheit mittlerer Infantrie mit Armbrüsten um. Aber ihr Beschuss war zu ungenau und ihre Performance im Nahkampf noch schlechter als befürchtet. Und so wurden sie von der syrischen Lanzen-Kavallerie bereits im ersten Angriff niedergeritten. Bei der Verfolgung krachten diese dann in den Rücken meiner Fußritter und brachen sie auch. Meine rechte Flanke war Geschichte...
Zu meinem Glück dauerte es eine ganze Weile bis dann die Moslems auf dieser Flanke wieder ihre Reihen geordnet hatten. In dieser Zeit entschied sich die Schlacht anderswo.
Da mein Zentrum mittlerweile bedenklich nahe an seinem Feldlager stand, schickte Frank die Truppen von Kerbogha aufs Feld.
Die Szenarioregeln besagen, dass je später Kerbogha eintrifft, desto mehr Einheiten bringt er mit. Außerdem werden die später reingeführten Einheiten qualitätsmäßig immer besser.
Ein echtes Dilemma für die Sarazenen: komme ich früh mit wenig und schlechten Truppen, oder spät mit vielen und guten Truppen, aber mit dem Risiko die Schlacht dann nicht mehr beeinflussen zu können.
In unserem Spiel kam noch hinzu, dass genau dort, wo Frank seine Verstärkung brauchte, der Weg durch seine fliehenden Truppen versperrt war. Immerhin konnte er 5 Einheiten in die Schlacht werfen. Ungeachtet dessen stürmten meine Ritter zu Ross mit gesenkten Speeren in die Masse der frisch eingetroffenen Feinde und erschütterte eine Einheit berittener Bogenschützen schwer.


 

Unten werden die syrischen Lanzenreiter, nachdem sie meine Fußritter niedergemacht hatten, doch noch von christlichen Speerträgern bedrängt. Oben rechts das Reitergefecht zwischen Kreuzrittern und Kerbogha´s Bogenschützenreiterei. Mitte rechts: das arabische Lager steht kurz vor dem Fall als eine dicke Welle christlicher Infanterie über es hinwegbrandet.

Bevor Kerbogha jedoch seine Überlegenheit ausnutzen konnte und bevor die Sarazenen in meinem Rücken meine Schlachtreihe weiter attackieren konnten, stürmten meine verbliebenen abgesessenen Ritter und eine Einheit christlicher Speerträger das befestigte Lager der Sarazenen. Bereits im ersten Anlauf konnten sie die Verteidigungen überrennen und das Lager nehmen. Damit gewann ich das Spiel mit 12: 6 Punkten.

Nochmal näher: unten Angriff auf das Lager, oben Reitergefecht.

Credits:
Ich spielte das Szenario gegen Frank Bauer aus Hamburg. Es war ein sehr harmonisches Spiel, aber mit einigen dramatischen Würfelwürfen.
Auch wenn Frank letzten Endes verlor, lag ein Sieg doch in Reichweite, da einige meiner Einheiten bedenklich umzingelt waren und er nur noch zwei hätte brechen müssen.

Das Szenario wurde scharfsinnig entworfen von Mikko V., vielen Dank dafür.
Es wurde schon mehrfach gespielt und war stets eine spannende Sache; die Kreuzfahrer sind zwar wertemäßig stärker, auf eine Stelle konzentriert und haben mehr und bessere Kommandanten, aber die Sarazenen sind dafür sehr wendig, schnell und kommen von 3 Seiten gleichzeitig.
Gerade der Gegensatz zwischen schwerfälligen Fußrittern und der agilen Reiterei der Sarazenen ist genau so,  wie ich mir ein Gefecht der frühen Kreuzzüge vorstelle.
Daher kann ich jedem mit Kreuzzugs-Armeen dieses Szenario nur wärmstens empfehlen.