Flussbau

Workshop - Flussbau

 

Bei vielen Spieltischen die ich gesehen habe störte mich immer, dass die Fluss-Geländeteile AUF die Spielplatten gelegt wurden, während ein Fluss sich ja eigentlich IN den Boden gegraben haben sollte. Also beschloss ich, mir separate Flussplatten zu bauen. Damit die Flussplatten flexibel in  möglichst vielen Spielen eingesetzt werden können, habe ich mich entschieden, den Fluss geradlinig verlaufen zu lassen und (vorerst) keine Schrägen, Kurven oder Biegungen einzubauen. Dies auch vor dem Hintergrund, dass in den meisten Szenarien mit einem Fluss, dieser nur eine Spielfeldseite dominiert .
Um weiter flexibler zu sein, was die Tiefe des Spielfeldes betrifft, entschied ich, dass die Flusssegmente nur recht schmal sein sollten, aber doch breit genug, um den Fluss von einem Bach unterscheiden zu können. Also legte ich mich auf eine Breite von 30 cm für die Module fest. Wenn man an beiden Seiten rund 5 cm für das Ufer abzieht, hat man eine Wasserfläche von ungefähr 20cm Breite. Dies genügt um im 6mm, 10mm und15mm-Maßstab einen breiten Fluß zu repräsentieren, aber auch für den 25/28mm-Maßstab wäre das immer noch ein respektabler Wasserlauf.

 
Die Länge der Module wurden auf 60 cm bzw. 120 cm festgelegt. Damit passen sie zu den Standard-Maßen für Spielplatten (DBA-Spielfeld 60cm x 60 cm, FOG/WAB /WHF- Spielfeldgröße 120 cm x 180cm) und sind hierfür flexibel einsetzbar. Also ließ ich mir im örtlichen Baumarkt zwei Platten 30cm x 60cm und eine Platte 30cm x 120 cm zuschneiden. Als Material wählte ich 1 cm starkes MDF. Ich kaufte mir noch rund 5 m Vierkantholz mit einer Kantenlänge von 1cm. Das Vierkantholz schnitt ich entsprechend zu und klebte es auf die Ränder der MDF-Platten. Dieser stabile Rahmen schützt die Kanten der Module vor Stößen.

 

 

Ich zeichnete dann grob den Flussverlauf auf die Platten und schnitt das Ufer mit einem Heißschneider aus 1cm dickem Styropor-Resten aus. Die Ufergrenze schrägte ich ab und schliff das ganze mit Sandpapier in Form.
Mit der 1cm starken MDF-Platte und dem 1cm dicken Styropor erhielt ich eine Gesamthöhe von 2cm, was auch der Höhe meiner übrigen Spielplatten, die ich aus 2cm dickem Styrodur gebaut hatte, entspricht.

 

In den Flusslauf klebte ich aus zugeschnittenem und abgeschrägten Styropor noch eine größere Insel und, dort wo eine Furt sein sollte, auch zwei kleinere erhöhte Stellen.

Nachdem auch die Uferstreifen auf die Platten geklebt waren, beschwerte ich die Module an allen Ecken und Kanten mit Pflastersteinen und Farbeimern um ein Verziehen des Holzes beim Trocknen zu verhindern (dicke Bücher o.ä. tun es auch) und ließ die Platten übernacht durchtrocknen.

Das Styropor-Ufer wurde anschließend zusammen mit der Kantenleiste mit Holzspachtel verspachtelt um Unebenheiten auszugleichen und das Styropr weiter zu festigen.

Ich bestrich das Styropor der Uferstreifen und Inseln mit einer dicken Schicht Holzleim und bestreute es zuerst mit groben Deko-Sand und danach mit einer Mischung aus feinerem Vogel- und Spielkastensand.

Nachdem alles mehrere Tage gut getrocknet war, machte ich mich an das Modellieren des Wasserlaufes. Ich habe lange überlegt, eine Technik zu finden, die Struktur für Wellen ermöglicht, aber den Untergrund (das MDF) nicht zu sehr aufweicht, da jedes Aufweichen der Platte zur Folge hat dass sich diese verzieht. Man kann den Wellenverlauf mit Spachtelmasse modellieren, was aber Feuchtigkeit auf die Platte aufbringt. Außerdem kann die getrocknete Spachtelmasse aufreißen. Es gibt auch im Modellbaugeschäft fertige "Wasser"-Platten aus Plastik, die schon Wellenstruktur haben, diese hätte ich aber wieder umständlich zuschneiden müssen. Weitere Möglichkeiten wären Strukturtapete (wenn man eine passende findet) oder 2-Komponenten-Gießharz (was aber zu einem recht hohen "Wasserstand" führen kann, der gerade bei kleineren Figurenmaßstäben ggfs. "nicht richtig" aussieht. Außerdem muss man die Kanten gründlich abkleben, damit das flüssige Gießharz nicht ausläuft). Also entschloss ich mich zu einer Vorgehensweise, die ich mal vor Jahren irgendwo gelesen hatte. Ich nahm Papiertaschentücher (Küchen- oder Toilettenpapier geht auch, ist aber u.U. stärker mit Mustern geprägt) und weichte diese in verdünnter Holzleim/Wassermischung ein. Danach legte ich die vollgesogenen Papiertaschentücher auf den Flusslauf und strich mit einem dicken Pinsel an verschiedenen Stellen in eine Richtung darüber. Dadurch bildeten sich Stoff-Falten, die in trockenem Zustand in etwa wie der Verlauf niedriger Wellen aussehen.

Nachdem das ganze trocken war, bemalte ich die kompletten Flussmodule (Ufer und Wasserlauf) mit dunkelbrauner Abtönfarbe aus dem Baumarkt.
Danach wurde der Uferstreifen zuerst in Ocker und danach in hellerem Sandgelb trockengebürstet.

Der Flusslauf wurde zuerst in sehr dunklem türkis bemalt.

Danach mehrere Schichten in hellerem türkis und abschließend etwas weiß trockengebürstet. Dadurch traten aber die Wellen sehr stark hervor, was mir dann nicht so gefiel.

Also verdünnte ich nochmal dunkleres türkis stark mit Wasser und trug diesen Wash auf den gesamten Fluss auf. Anschließend nahm ich mit einem alten Tuch das meiste der Farbe wieder ab, bis keine Pfützen mehr zu sehen waren. Dieser Wash trug dazu bei, dass die vorhergehenden Farbabstufungen wieder etwas miteinander verschwammen. Außerdem ist am Uferrand unter dem hellen türkis noch das sandgelbe Ufer zu sehen, was den Eindruck von wasserüberspültem Sandufer recht gut wiedergibt.

Abschließend wurde die Wasserfläche mehrmals mit hochglänzendem Klarlack behandelt, damit sie "nass" aussieht. Ich klebte an den Uferrand größere Grasbüschel und bestreute die Ufersektionen unregelmäßig mit Grasstreu.

Das Endergebnis sieht dann folgendermaßen aus. Und ich muss sagen, ich bin sehr zufrieden damit.


benötigte Materialien:
- 1 cm dicke MDF-Platten
- Vierkantholz mit 1 cm - Kantenlänge
- 1 cm dickes Styropor
- Papiertaschentücher
- grober Dekosand
- feiner Vogelsand
- Holzleim
- Grasstreu
- Grasbüschel
- Farben dunkelbraun, ocker, sandgelb sowie dunkelgrün, türkis, schwarz, weiß
- Spachtelmasse