Großer Spielbericht: Die zweite Schlacht von Höchstädt (engl.: The Battle of Blenheim), 13.August 1704

Wir nutzten unsere Teilnahme an der Modellbaumesse in Mainz am 22.09.2012, um mit unserem Szenario aus dem spanischen Erbfolgekrieg die Besucher auf das Thema Wargaming aufmerksam zu machen. Auch wenn das Interesse des gestandenen Modellbauers eher woanders liegt, schaffte es unsere Präsentation zeitweise doch, die Leute zum Stehenbleiben und Zuschauen zu animieren.
Wir hatten das Szenario bereits auf der RE-ACTION 2012 in Rheindahlen gespielt und haben seitdem nur noch geringfügige Änderungen gemacht.

Anfangsaufstellung. Links unten das französisch besetzte Blindheim, rechts der Nebelbach mit der alliierten Armee. In der Mitte der Ort Oberglau.

Anfangsaufstellung der Franzosen. Oben rechts das Dorf Oberglau, oben links Lutzingen. Blindheim befand sich unten rechts (nicht im Bild).

Generell hatten sich wohl beide Seiten vorgenommen, aggressiv vorzugehen. Die Alliierten begannen das Spiel und rückten auf der ganzen Linie entschlossen vor. Vor allem die Briten im Zentrum hielten sich nicht an die historische Rolle, nach der sie erst an beiden Flanken angegriffen und das gegnerische Zentrum mit Artillerie geschwächt hätten. Stattdessen warf Marlborough seine Reiterei so schnell es ging über den Nebelbach und nahm dadurch billigend in Kauf, das er bereits recht früh seiner Artillerie die Schusslinien verstellte.

Vormarsch der britischen Reiterei:

Im Gegenzug wurden seine tiefen Kavalleriekolonnen leichte Ziele der französischen Kanonen und mussten auch schnell Verluste an Männern und Moral hinnehmen.

Das Schlachtfeld. Man sieht die Flammen der brennenden Mühlen, die die zurückgehenden franz. Vorposten in Brand gesetzt hatten.

Der englisch/kaiserliche Angriff auf Oberglau verlief zunächst planmäßig, als die Moral der französischen Verteidiger schon nach den ersten Schusswechseln tief erschüttert wurde. Der folgende alliierte Bajonettangriff schien nur noch eine Formsache zu sein, um den Ort zu nehmen. Doch kaum im Nahkampf biss sich der Angriff fest und mit jedem Spielzug gewannen die Franzosen gegen einen doppelt überlegenen Gegner mehr Selbstvertrauen.

Kampf um Oberglau:

Es dauerte unwahrscheinlich lange, bis sich die hartnäckigen Franzosen dann doch der Übermacht beugen mussten und aus dem Ort flohen. Das hatte den umliegenden französischen Einheiten genug Zeit verschafft, um mit frischen Truppen in Oberglau einzurücken und den alliierten Einbruch abzuriegeln.

Gefecht neben Oberglau:

   

Letztendlich gelang es den Alliierten zwar, die Ortschaft zu nehmen, aber nicht rechtzeitig genug, damit sie noch woanders ins Schlachtgeschehen eingreifen konnten.   

Schlachtfeld von der anderen Seite. Unten durchqueren Prinz Eugens Truppen schwieriges Gelände, rechts Oberglau, links Unterglau, in der Mitte der Nebelbach:

Die Angriffstruppen auf der linken britischen Flanke, marschierten unter Lord Cutts zügig auf Musketenreichweite an Blenheim heran und verwickelten die Garde Francaise in ein ausgedehntes Feuergefecht. Das Regiment der englischen 1st Foot Guards hatte zwar mehr Feuerkraft, aber die französischen Gardisten waren durch ihre Brustwehr gut geschützt. So zog sich das Feuergefecht lange Zeit hin, ohne dass beide Seiten entscheidende Vorteile erringen konnten.

Lord Cutts Angriff auf Blenheim (dt. Blindheim)

Die beiden Unterstützungs-Regimenter hinter den 1st Foot Guards versuchten nach rechts und links aufzufächern. Aber die französischen Dragoner, die die Lücke zwischen Blenheim und der Donau (dem Spielfeldrand) besetzten, wollten nicht abwarten, bis die Engländer mit ihrem Deployment fertig waren. So verließen sie ihre schützenden Befestigungen und beschossen die Flanken der englischen Regimenter. Dies war so effektiv, dass bald eine der drei englischen Einheiten brach und die Flucht antrat. Mittlerweile hatte auch die Garde Francaise ihre Befestigung verlassen und griff die 1st Foot Guards im Nahkampf an. Sie zog dabei aber den kürzeren, wurde aufgerieben und in die Flucht geschlagen. Zusätzlich eilte von der anderen Seite Blenheims noch eine französische Einheit heran und plötzlich sahen sich die 1st Foot Guards von zwei gegenüberliegenden Seiten bedroht. Sie bildeten ein Square um ihre Flanken zu schützen und schafften es tatsächlich, die vorwitzigen Dragoner in die Flucht zu schlagen. Das zweite verbliebene englische Regiment trieb die andere französische Einheit ebenfalls zurück. Da Blenheim aber mittlerweile durch frische französische Verstärkungen besetzt war, konnte der Ort nicht genommen werden.  
 
Im linken alliierten Zentrum neben Blenheim, unternahm eine britische Linieninfantrie einen ambitionierten Sturmlauf gegen eine unbeschützte französische Artilleriebatterie. Bald bekamen sie Flankenfeuer aus Blenheim, marschierten aber unter schwerem Beschuss unentwegt weiter und eroberten mit letzten Kräften die feindlichen Geschütze. Diese richteten noch kurze Zeit Beschuss auf ihre einstigen Besitzer, bevor sie bei einem französischen Gegenstoß wieder zurückerobert und die geschwächte englische Infantrie aufgerieben wurde.

Nach einiger Zeit hatte Marlborough seine gesamte Kavallerie im Zentrum mehrere Reihen tief geballt. Dadurch war es den Franzosen möglich, mit relativ wenigen eigenen Truppen, die gesamte Front zu halten.

Kavalleriegefecht im Zentrum - hier halten wenige Franzosen viele Briten und Niederländer auf:

Einige franz. Reiterregimenter hielten sich hartnäckig gegen die feindliche Überzahl, während die Briten in den hinteren Reihen tatenlos dem Hin- und Herwogen des Nahkampfes zusehen mussten. Es kam sogar vor, dass frontal gebrochene englische Kavalleristen durch ihre nachfolgenden Reihen brachen und diese deswegen in Unordnung gerieten. Insbesondere die Garde-Kavallerie der Royal Scots (Scots Greys) kam während der gesamten Schlacht nicht einmal in Kontakt mit dem Gegner, während die hervorragende französische Gendamerie und die Maison du Roi gute Erfolge erzielen konnte.

Rückblickend betrachtet hat in unserem Spiel Marlborough hier den gleichen Fehler gemacht wie Clerambeault in der historischen Schlacht, indem er eine viel zu große Anzahl Truppen auf viel zu kleinem Raum konzentrierte. Die Einheiten taten dann gar nichts, oder noch schlimmer, behinderten sich gegenseitig.
Gegen Ende hin gab dann doch ein Teil des französischen Zentrums nach, während im anderen Teil die Elitekavallerie der Maison du Roi englische Reiterschwadronen zerschmetterte und ihrerseits die Linien durchbrach.     

Auf der rechten alliierten Flanke musste sich Prinz Eugen mit seinen zusammengewürfelten Truppen aus Württemberg, Brandenburg-Preußen, Dänemark und Österreich durch schwieriges Gelände vorarbeiten. Ihnen gegenüber standen die Regimenter des Blauen Kurfürsten Max-Emanuel von Bayern und Franzosen unter General Marsin. Die Alliierten kamen langsam aber größtenteils unversehrt voran, während die Bayern und Franzosen geduldig  ihre Stellung hielten und sich mit Artilleriebeschuss begnügten.

Alliierte und Reichsarmee im Anmarsch auf Bayern und Franzosen:

Kaum waren aber beide Seiten auf Beschuss- und Nahkampf-Entfernung heran, verloren sie in atemberaubender Geschwindigkeit Truppen und Moralstufen. Schon nach kurzer Zeit brachen auf beiden Seiten einige Regimenter und rissen große Löcher in die Kampflinien. Auch Kanonen beider Seiten wurden von feindlichen Verfolgern gegenseitig erobert.  Aber es standen keine Reserven mehr zur Verfügung, so dass sich diese Flanke praktisch gegenseitig aufgerieben hatte, wenn es auch bei den Bayern noch einige wenige unversehrte Regimenter gab.         

Zum Ablauf der Spielzeit wurde klar, dass sowohl die Briten als auch das kaiserlich/deutsche Kontingent den Punkt des Armeebruches erreicht hatten, während die Franzosen noch haarscharf davon entfernt waren.  Es stand 24:25 Siegpunkte für die Franzosen. Auch ein Blick auf das Schlachtfeld zeigte, dass die Franzosen etwas besser standen: Blenheim war unumkämpft französisch besetzt, im Zentrum standen noch zwei frische Linieninfanterie-Regimenter der Franzosen zur Verfügung, auch wenn Oberglau verloren war. Die französisch-bayrische Flanke war zwar mehrfach durchbrochen, aber auch hier gab es keinen mehr, der den siegreichen bayrischen Kürassiere hätte Einhalt gebieten können. Also hätte Marlborough und Prinz Eugen wohl zum allgemeinen Rückzug blasen und sich im Schutz der Nacht zurückziehen müssen. Aber auch bei den Franzosen waren die Verluste derart hoch, dass an eine entschlossene Verfolgung nicht zu denken gewesen wäre.     

Daten und Fakten:

Wir waren 5 Spieler
Wir haben das Szenario mit den Field of Glory-Renaissance Regeln nach dem Armeebuch Duty and Glory gespielt.
Die Franzosen hatten etwa 1.700 Armeepunkte, die Briten etwa 1.100 und die kaiserlich/deutschen etwa 600 Punkte.
Marsin und Tallard waren Field Commanders, Marlborough und Prinz Eugen waren Great Commanders.
Es waren fast 2.000 Figuren im 10mm Maßstab (von den Herstellern Pendraken und Old Glory) im Spiel.
Der Spieltisch war 1,20 m x 2,40 m groß.
Das Spiel dauerte, inklusive zum Teil langer Pausen, insgesamt etwa 6 1/2 Stunden

Entstehung, Hintergrund und Verlauf der Schlacht:

Die Zweite Schlacht bei Höchstädt (im engl. Battle of Blenheim) war eine bedeutende Auseinandersetzung im Spanischen Erbfolgekrieg. Ein Heer aus Kaiserlichen und Reichsarmee unter Befehl von Prinz Eugen von Savoyen sowie der Engländer unter dem Befehl des John Churchill, 1st Duke of Marlborough schlug am 13. August 1704 die Truppen der Franzosen unter dem Befehl von Marschall Tallard und Marsin sowie der Bayern unter dem Befehl von Kurfürst Maximilian II. Emanuel. Durch den Sieg wurde ein drohender Marsch der verbündeten französisch-bayerischen Armeen auf Wien verhindert.

Historische Ausgangslage
Im Jahr 1700 war mit König Karl II. der letzte Habsburger auf dem spanischen Thron gestorben. Aufgrund einer testamentarischen Verfügung erhob Frankreich Thronansprüche. König Ludwig XIV. rief seinen Enkel Philipp von Anjou zum spanischen König aus und bestätigte zugleich dessen Anspruch auf die französische Thronfolge.
Es drohte eine Machtverschiebung in Europa zu Gunsten der Großmacht Frankreich. Auf Initiative Englands fanden sich in der Großen Haager Allianz die Gegner (England, Österreich, Holland und verschiedene deutsche Fürstentümer) zusammen. Der bayerische Kurfürst schlug sich in der Hoffnung auf die Königswürde und Gebietserweiterungen auf Frankreichs Seite.

Schlachtverlauf
Die Franzosen hatten ihre Infanterie in den Dörfern Blindheim und Oberglauheim konzentriert, der bayrische Kurfürst stand zusammen mit Marsin zwischen Lutzingen und Oberglauheim.
Bei den alliierten Truppen befehligte Prinz Eugen den rechten Flügel, Marlborough kommandierte die Mitte. Es war ein heißer Sommertag, als die Hauptschlacht begann. Bei Blindheim wurde der Angriff der Engländer blutig zurückgeschlagen. Bei Oberglauheim gingen die Franzosen sogar zum Gegenangriff über, den jedoch Marlborough mit seiner Kavallerie zurückwarf. Die fortgesetzten englischen Angriffe hatten aber zur Folge, dass General Clerambault panisch sämtliche Infanteriereserven des französischen Flügels nach Blindheim beorderte. Bald zeigte sich, dass die Entscheidungen für den weiteren Schlachtverlauf fatal war, da in Blindheim unnötigerweise Truppen konzentriert wurden, die in der völlig überdehnten Front der Mitte bessere Dienste geleistet hätten. Der Kampf wogte hin und her. Franzosen und Bayern hatten durch die Besetzung der Dörfer  leichte Vorteile errungen und waren auch an Artillerie überlegen.
Marlborough überschritt schließlich nachmittags mit seiner Kavallerie über den Nebelbach. Das brachte die Wende. Er setzte seine gesamte Kavallerie (13.000 Reiter) ein, dieser folgten 8000 Mann Infanterie und Artillerie. Tallard konnte diesem Aufgebot lediglich 8000 Reiter sowie 4500 Mann Infanterie entgegensetzen. Der Großteil der alliierten Kavallerie war noch frisch, während die französischen Schwadronen schon seit Stunden eingesetzt wurden  und somit müde und zum Teil auch dezimiert waren. Dennoch gelang es den Franzosen, den ersten Angriff abzuwehren. Doch der zweite Angriff durchbrach die französischen Linien. Tallard wurde zwei Mal verwundet. Die fliehende französische Kavallerie wurde verfolgt und in die Donau getrieben, wo viele ertranken.
Marlboroughs Manöver schnitt Marsin und Max Emanuels Flügel ab und kesselte General Clerambault in Blindheim ein. Die bayerischen und französischen Truppen begannen sich geordnet zurück zu ziehen. Einsatzbereite französische Kavallerie war nun als geschlossener Kampfverband faktisch nicht mehr vorhanden.
Die den Ort Blindheim verteidigenden Franzosen waren eingeschlossen. Marschall Tallard wurde beim Versuch, Truppen aus dem Ort zu führen, Opfer seiner Kurzsichtigkeit und von hessischen Dragonern  gefangengenommen, die er für eigene Truppen hielt. Die Situation in Blindheim verschlechterte sich stetig. Die Engländer zogen nun immer mehr Truppen zusammen, um Blindheim zu stürmen. Es gelang ihnen, die französischen Truppen ins Zentrum von Blindheim zurückzudrängen. Die von den Engländern eingesetzte Artillerie setzte viele Gebäude in Brand. Der franz. General Clerambault ließ seine Truppen in Blindheim im Stich und ertrank beim Versuch die Donau zu durchschwimmen. Die zähen Kämpfe zogen sich noch bis zum Abend hin. Erst um 21.00 Uhr legten die Franzosen die Waffen nieder.

Folgen
Der Sieg stärkte die Motivation auf alliierter Seite zu weiteren Waffengängen. Die Franzosen hatten ihren damals verbreiteten Nimbus der Unbesiegbarkeit eingebüßt. Bayern wurde von Österreich besetzt. Der bayerische Kurfürst Maximilian II. Emanuel ging ins Exil.
Aber erst der Friede von Utrecht (1713) und Rastatt (1714) beendeten den blutig geführten Streit um die spanische Erbfolge und das Mächtegleichgewicht in Europa.

(Quelle: Wikipedia u.a.)