Mittelalterliche Stadtmauer

Mittelalterliche Stadtmauer

Ich wollte schon seit einiger Zeit eine (spät-)mittelalterliche Stadtmauer für meine 15mm Armeen haben. Also habe ich mich bei den einschlägigen Anbietern von Tabletop-Gelände umgeschaut, aber nichts gefunden was meinen Vorstellungen entsprach. Für den 1:72 / HO-Bereich gibt es zwar schöne Bausätze, da diese aber von der Größe nicht unbedingt passend und auch recht kostspielig sind, habe ich mich entschieden, meine Stadtmauer selbst zu bauen.
Mein Stadtmauer-Vorhaben fiel mit der Vorbereitung des "Vlad Tepes"-Projektes zusammen und so traf ich die Entscheidung, dass die Stadtmauer auch für Südosteuropa stimmig aussehen sollte. Um einen entsprechenden Effekt zu erzielen, verzichtete ich bei den Turmdächern auf Walm- und Runddächer, die ich eher mit Mitteleuropa in Verbindung bringe, und nahm statt dessen spitzeckig zulaufende Dächer in Angriff. Auch die Grundmauern der Türme sollten nicht quadratisch, sondern achteckig sein.
Die Mauersektionen sollten aus offenliegendem Mauerwerk mit einem Wehrgang aus Fachwerk und normaler Ziegeleindeckung ausgeführt werden. So könnte es sich um eine hochmittelalterliche Wehrmauer handeln, auf die später ein Wehrgang ergänzt wurde, damit die Mauerwachen vor Wind und Regen geschützt sind und ein Angreifer die Bewegungen auf den Mauern nicht einsehen kann.

Materialien:

aus dem Baumarkt:
1-2 Styrodurplatten 2 cm dick
1-2 Holzsockelleisten 2,5 cm breit mit abgerundeten Kanten
Karton (z.B. von Müslipackungen)
dünne Balsaholzbretter
Vogelsand in verschiedenen Körnungen
feiner Sand (z.B. Deko- oder Sandkastensand)
Holzleim
Abtönfarben dunkelbraun, ocker, rotbraun, sand, Terracotta

aus dem Modellbauladen:
Mauerstruktur-Platten aus Plastik
Abzieh-Klebefolie mit Dachziegelmuster (Spur N)
Grasstreu (Sommerwiesengras)

Mauerbau:
Als erstes habe ich 30 cm lange Stücke aus den Sockelleisten als Base für die einzelnen Mauersektionen gesägt.
Die Mauerplatten (ca. 25 cm breit) wurden mit einem Cutter halbiert und ergaben so jeweils zwei 12,5cm breite Mauerstreifen.
Aus Styrodur wurden 30cm lange und 12,5 cm breite Streifen ausgeschnitten (ich verwende ein Heißschneidegerät, aber auch mit einem Teppichmesser möglich). Diese Styrodur-Streifen wurden hochkant auf die Fußleistenstücke geklebt und auf beiden Seiten die Mauerstruktur-Platten angeklebt. Fertig waren die Mauerteile.

 

 

Hier die Rückseite der Mauer im "Styrodur"-Zustand mit dem modellierten Wehrgang.

 

Die Vorderseite der Mauer mit den eingeritzten "Brettern" und noch ohne Mauerplatten.

 

Wehrgang:
Aus Styrodur wurden 4cm breite und ca. 0,5 cm dicke Streifen geschnitten. Damit bastelte ich den Boden, die Frontseite, die Decke und die Zwischenmauern für den Wehrgang. In die Frontseite wurden in regelmäßigen Abständen Schlitze für die Schießscharten eingeschnitten. Dann schnitt ich noch dreieckige Styrodurstreifen für das Dach aus. Danach wurde aus den verschiedenen Teilen der Wehrgang zusammengebastelt. Zwischendurch habe ich immer mal wieder ausgemessen und mit Figuren probiert, ob die Schießscharten die richtige Höhe haben und 15mm-Modelle bequem in den Wehrgang passen. Dieser sollte ja schließlich mit Figuren bemannt werden können.
An der Außenseite des Wehrganges wurden mit ca. 0,4 cm breiten Balsaholz-Streifen die Fachwerk-"Fächer" aufgeklebt. Danach ritzte ich mit einem Kugelschreiber in den Zwischenräumen noch parallele Linien ein, die dahinter liegende Bretter darstellen.
Danach wurden alle Styrodurstellen mit Abtönfarbe bestrichen und mit feinem Sand bestreut.
Nachdem die Klebestellen mindestens eine Nacht getrocknet waren, habe ich die gesamte Mauersektion dunkelbraun bemalt und mit Ocker- und Sandtönen akzentuiert. Die "Balken" des Wehrganges wurden in dunkelbraunen Farben gehalten und die dazwischenliegenden "Bretter" mit rotbraun abgesetzt.
Nach der Bemalung wurden die Dachschrägen mit der Dachziegel-Klebefolie beklebt und etwaige Verbindungsstellen rotbraun nachgemalt.
Abschließend wurden die Basenränder der Sockelleisten mit Vogelsand bestreut, dunkelbraun bemalt, ocker akzentuiert und in unregelmäßigen Flecken mit Grasstreu beklebt.  

Der Wehrgang mit Mauerplatten und modellierten Fußbalken.


Turmbau:
Ich zirkelte auf Karton einen Kreis, mit dem Durchmesser des gewünschten Turmes, einmal ca. 10 cm und einmal ca. 15 cm. Dann unterteilte ich den Kreis mit dem Zirkel in 8 gleichgroße Abschnitte. Ich verband diese Schnittpunkte und erhielt so die Grundbreite einer Sektion der Turmmauer. Dann schnitt ich aus Styrodur jeweils acht ca. 0,5 cm dicke und 15cm lange Streifen aus, wobei die Breite den gezirkelten Abschnitten entspricht. Danach wurden die Innenkanten der einzelnen Turmmauer-Sektionen  noch etwas abgeschrägt ("auf Gärung geschnitten") und auf den Karton geklebt. Ich erhielt so die achteckige Grundstruktur und einen 15 cm hohen Turmsockel.
Den Turmkranz schnitt ich aus einem Stück Styrodur (2cm dick) mit der gleichen Methode wie die Kartonbase, nur mit dem Unterschied, dass ich den Kreis etwas größer machte, damit der Turmkranz etwas über den Sockel hinausragt. Bei einem der beiden Türme bastelte ich mit ca. 0,4 cm  breiten Balsaholzstreifen eine Holzkonstruktion bei der ich auf einigen Turmseiten schmale Lücken ließ, um Schießscharten darzustellen. An den Turmsockel wurden schmale Kartonstreifen geklebt um weitere Schießscharten vom Turm abzuheben.
Bei dem größeren Turm schnitt ich aus Styrodur ca. 0,5cm dicke und 2cm breite Streifen aus. Danach kerbte ich diese regelmäßig (mit einer Schablone aus Karton)  mit halbrunden Bögen ein, schrägte die äußeren Kanten wieder ab und klebte das als Turmkranz an das obere Ende des Turmsockels. Auch hier wurden an den Turmsockel schmale Kartonstreifen geklebt um Schießscharten darzustellen.

Der kleinere Turm aus Styrodur ausgeschnitten und mit der Dachkonstruktion aus Karton und Klebeband.


Beide Dächer wurden mit einer Grundkonstruktion aus Kartondreiecken hergestellt. Dann schnitt ich ca. 0,7 cm breite Kartonstreifen aus und kerbte diese in regelmäßigen Abständen (ca. 0,5 cm) ein, um Ziegelreihen darzustellen. Diese Ziegelstreifen wurden dann auf die Turmdächer geklebt, wobei die Kanten immer so abgeschnitten wurden, dass sich die Ziegeln, passend zur Dachfläche, nach oben verjüngten,
Da ich nicht wusste, wie ich zeitsparend bei den Türmen Mauerwerk darstellen sollte, ohne komplett den Verstand zu verlieren, beschloss ich, die Türme verputzt darzustellen. Ich ging davon aus, dass wenn die Bemalung im gleichen Farbton wie die Mauern der Mauersektionen erfolgt, das insgesamt doch zusammen passt. Also wurden die beiden Türme, bis auf die Dächer, besandet und danach komplett dunkelbraun bemalt. Der Tumsockel wurde wieder mit Ocker- und Sandtönen akzentuiert, die Dächer mit rotbraun und Terracotta.
Der Torturm ist eine ältere Produktion und deshalb auch rund (aus einer Pringels-Röhre), wurde aber nach dem selben Prinzip hergestellt.


Stellprobe der unfertigen Mauerteile

Danach bepinselte ich noch die gesamte Stadtmauer samt Türmen mit alten Resten von Fanatic Army Painter, welche ich noch rumstehen hatte, um das ganze nochmal ein bischen nachzudunkeln und zu versiegeln.

Das ganze Bauprojekt dauerte ca. zwei Monate, mit den üblichen Pausen für Trocknungszeiten und Motivationstiefs. Ich schätze mal, dass die reine Arbeitszeit vielleicht bei drei Dutzend Stunden liegen dürfte. Aber ich finde, dass es sich gelohnt hat, da ich so zu einem imposanten und individuellen mittelalterlichen Geländeteil gekommen bin.