Reisebericht: Odenwar 2013

Clubmitglied Wraith bezog im Frühjahr ein neues Häuschen im Odenwald, und verfügt seit dem ganz ungeniert protzerisch über einen großen Hobby-/Büroraum, sowie Sauna und Pool.
Das galt es dann auch tabletop-technisch standesgemäß einzuweihen.
Dazu hatte er zu einem Spielwochenende geladen, für das auch die "Ehrengäste" Frank Bauer und Vasa aus Hamburg und Gero, von weit her anreisten. Samstags war als Tagesgast noch Tankred aus Frankfurt/Main zu begrüßen. Mit einigen zusätzlichen Lokalmathadoren waren dann auch die vorhandenen Spielflächen und Übernachtungsmöglichkeiten gut ausgeschöpft.
Während die Hamburger bereits Donnerstag spät abends angereist waren, traf ich Freitagvormittag vor Ort ein.
Wir stiegen in das Wochenende mit einem 4-Spieler-jeder-gegen-jeden-System ein, das ich für meine Field of Glory: Renaissance-Präsentation auf der TACTICA 2014 verwenden möchte.
Wir spielten eine fiktive Schlacht aus dem englischen Bürgerkrieg zwischen schottischen Royalisten, schottischen Covenantern, englischen Royalisten und englischen Parlamentariern.
Vasa legte einen furiosen Start hin und hieb mit dem Marquis of Montrose und seinen Highlandern eine breite Schneise in die Reihen der Covenanters und englischen Royalisten. Aber dann schlugen diese vereint zurück und am Schluss war Vasa´s komplettes Kommando ausgelöscht. Nachdem Frank Bauers Covenanter sich der gefährlichen Highlander entledigt hatten, nahmen sie noch einige Parlamentarier auseinander. Das reichte aus, damit am Ende der Spielzeit die Covenanter deutlich nach Siegpunkten gewannen.

Das Field of Glory Renaissance - Jeder gegen jeden - Gemetzel aus dem englischen Bürgerkrieg

Nachmittags nahmen wir einen Imbiß mit Zwiebelkuchen und neuen Wein, den ich aus der herbstlichen Pfalz mitgebracht hatte.
Danach war Sightseeing angesagt, bei dem uns Simon sachkundig die drei Neckarsteinacher Burgen zeigte und erklärte.
Anschließend machten wir noch einen kurzen Spaziergang am Neckar entlang und fuhren wieder zurück. Nach einer vorzüglichen Kürbissuppe abends, kamen wir zum Kernpunkt des Wochenendes: der Dark Age-Kampagne.
Wer Wraith kennt, für den ist nicht verwunderlich, dass er sich die Dark Ages, den Wikingersturm und die normannische Eroberung Englands als Thema des Wochenendes ausgesucht hat. Immerhin pinselt er schon solange ich ihn kenne, sporadisch immer wieder an irgendwelchen bärtigen axtschwingenden Barbaren aus dem Norden herum.
Der historische Hintergrund war die "Harrying of the North"-Kampagne Wilhelms des Eroberers, der hiermit im Jahre 1069 jeden Widerstand Nordenglands gegen seine Herrschaft brach.
Dazu wurden die Spieler in zwei Lager aufgeteilt. Einmal Normannen und normannentreue Engländer gegen die rebellischen Engländer und ihre zu Hilfe gerufenen Wikinger-Verbündeten.
Nachdem es von Wraith eine schnelle Kampagnen-Einführung gab, ging es an die ersten Spiele. Besonderheit der Kampagne ist, dass die Spiele mit drei verschiedenen Regelwerken ausgetragen wurden (SAGA, DBA und Field of Glory), wobei die Ergebnisse der "kleineren" Systeme SAGA und DBA Auswirkungen auf die große Field of Glory-Abschlussschlacht haben würden.


Einige meiner Wikinger für SAGA

Im ersten SAGA-Spiel stellten sich die Normannen von Simon an zwei Flussfurten meinem dänischen Wikingerkönig entgegen. Sie wurden in einem spannenden Gefecht geschlagen und der Weg der Dänen nach England war frei.


Mein Dänenkönig stellt sich alleine einer Übermacht normannischer Ritter

Ankündigungsgerecht wurde dann der Samstagabend mit einigen Flaschen Bier, drei Saunarunden und einigen Arschbomben in den schweinekalten Pool beendet.
Nach einem ausgedehnten Frühstück wurden meine Wikinger bei einem DBA-Gefecht von Frank Bauers Normannen auf ihrem Beutezug abgefangen. Trotz hartnäckigem Manövrierens konnte ich nicht verhindern, dass die normannischen Ritter meine tapferen Kämpen im offenen Gelände niederritten wir Gras.

Meine Wikinger gegen Frank Bauers Normannen bei DBA.

Bis Samstagmittag sah es insgesamt für unsere Kampagnenseite recht komfortabel aus, aber am Samstagnachmittag kippte überall das Schlachtenglück und wir gerieten deutlich ins Hintertreffen.

SAGA Wikinger zünden einige englische Hütten an

So ging auch mein SAGA-Spiel gegen Tankreds Normannen verloren, da meine Schlagetots es nicht verhindern konnten, dass die Normannen ihre Feldarmee mit Schlachtvieh und Frischfleisch versorgten.
Passenderweise gab es anschließend selbstgemachte Pizza, die keine Wünsche offen ließ. Auch wenn die Mannschaft schon satt stöhnte, brachten die Gastgeber ständig blechweis neue Pizza auf den Tisch.

Danach ging es in die große Field of Glory Abschlussschlacht.

In den Dark Ages: das "Field of Glory"

Die große Abschlussschlacht mit der gesamten Mannschaft,

Plötzlich realisierten wir, dass unsere Kampagnenseite fast alle Vorteile die man haben konnte, an den Gegner verspielt hatte. Obwohl es ein heroisches Ringen war, konnten wir einen normannischen Gesamtsieg nie ernsthaft gefährden: wir mussten zuerst unsere Armee aufstellen, den 1. Spielzug abgeben, hatten im offenen Gelände nur Kavallerie die den normannischen Rittern unterlegen war und unsere leichteren Truppen konnten sich auch nicht in unwegsames Gebiet retten. Nur Jarl Ulrik´s Wikinger trieben Simons Normannen vor sich her, aber unsere anderen Armeeteile gingen unter und damit der englisch-dänische Traum von einem zurückeroberten England.  


Zwei Schildwälle prallen bei Field of Glory aufeinander

Natürlich geht das Kampagnenergebnis historisch vollkommen in Ordnung, zumal sich in den meisten Spielen gezeigt hat, dass die Infantrieschlacht des Gefolgsmannes zu Fuß der Vergangenheit angehört und das Zeitalter der Ritter angebrochen war.
Danach saßen wir noch bis tief in die Nacht bei Bier, Apfelwein und Gesprächen über Wargaming, Historie, die Tabletop-Szene usw. usf.
Sonntags musste ich leider schon direkt nach dem Frühstück den Ort des Geschehens verlassen, da mit der Modellbaumesse Mainz die nächste Hobby-Veranstaltung rief.

Es bleibt ein grandioses Wochenende mit guten Freunden, einer interessanten Kampagne, spannenden Spielen, gutem Essen und natürlich einem ordentlichen Maß Schlafmangel und allgemeiner Erschöpfung ;-)
 
Ein riesengroßes Dankeschön geht an:
Wraith für die Organisation, Rundumversorgung und Idee für das tolle Wochenende
Ariane für die erstklassige Bewirtung und Geduld mit einem Haus voller Männer, Kleinkinder und Haustiere
Simon für die kompetente Burgführung
Frank Bauer für ein fast schachähnliches DBA-Spiel
Tankred für ein aufreibendes SAGA-Gefecht  
alle anderen Anwesenden für die gute Stimmung und die vielen netten Gespräche