Scharmützel im 17./18. Jahrhundert

Ich war schon seit einiger Zeit auf der Suche nach einem Regelwerk für Scharmützel (also Kämpfe kleiner gegnerischen Truupps gegeneinander) in meiner Lieblingsepoche, der Renaissance oder Barock, oder 17./18. Jahrhundert oder Horse & Musket, egal wie man es nennen mag.

Mit ein Grund war, dass ich lange schon schwerpunktmäßig große Schlachten mit eher kleinen Figurenmaßstäben (15mm und 10mm) spielte und es langsam Zeit für etwas neues wurde.

Insbesondere hatte ich Lust auch den 30 jährigen Krieg im 28mm-Figurenmaßstab, aber auf Skirmisher-Ebene, da 28mm für meine Begriffe bei großen Rank&File-Systemen oft nicht "richtig" aussieht.

In 2014 wurde dann das Skirmish-Regelwerk Donnybrook von der League of Augsburg  http://www.leagueofaugsburg.com/ veröffentlich. Ich habe es mir auf der TACTICA in Hamburg gekauft und fand es auf Anhieb sehr ansprechend.

Hier gibt es meinen Review über das Regelsystem:

http://www.sweetwater-forum.de/index.php?page=Thread&threadID=14402

Hier noch eine andere Meinung:

http://theminiaturespage.com/boards/msg.mv?id=341186

Mit den vorhandenen Figuren machte ich auch bald einige Spiele. Hier Berichte davon:

http://www.sweetwater-forum.de/index.php?page=Thread&threadID=14511

http://www.sweetwater-forum.de/index.php?page=Thread&threadID=14603

 

In diesem Artikel hier, möchte ich über den Werdegang meiner 17./18.Jahrhundert-Skirmish-Sammlung berichten.

Meine bestehende Geländesammlung für den 28mm Maßstab stammt noch von meinen GW-Warhammer-Zeiten und entspricht nicht mehr meinen heutigen Ansprüchen an schönes Tabletopgelände.
Deshalb war mir klar, dass ich meine Geländesammlung bedeutend aufstocken und erweitern wollte.

 

Turmruine

Den Anfang macht eine selbstgebaute Turmruine. Als Grundlage für den Turm nahm ich eine leere Dose für Cappuccino-Pulver, die ich oben unregelmäßig abschnitt. Ich baute den Zwischenboden aus einem passend kreisförmig zurechtgeschnittenen Stück Styrodur. Die Innenseite der Brüstung gestaltete ich mit Mauerrelief-Platten aus dem Modellbahnbedarf. Die bestehen ebenfalls aus Styrodur, das an einer Seite Mauerwerk-Optik hat. Ich ritzte die Platten leicht an der Rückseite ein, damit ich sie rund biegen und festkleben konnte. Der Zwischenboden wurde dann mit Balsaholzstreifen, größeren Styrodur-Stücken und Streusand gestaltet.
Aus dem Holzstab einer Sylvesterrakete und weiteren Balsaholzstreifen bastelte ich die Holztreppe, die sich um den Turm windet und auf einer Plattform unterhalb des Turmkranzes endet.
Auch die hölzerne Plattform wurde aus Holzstab und Balsaholz konstruiert.
Ich entschied, dass die Holztreppe erst zu einer späteren Zeit an den Turm gebaut worden sein sollte, um den Zugang zur Turmspitze als Spähposten zu ermöglichen. Deswegen gibt es auch keine Tür bei der Holzplattform.

Zwischenstand beim Turmbau

Das Gewänder für die ebenerdige Eingangstür schnitt ich aus dickem Karton aus und verrammelte die Türöffnung mit weiteren Balsaholzstreifen, um den unzugänglichen und verlassenen Eindruck der Turmruine zu unterstreichen. Aus dickem Karton schnitt ich noch zwei Fensterbögen aus. Danach wurde der Turm dick mit Spachtelmasse bestrichen.
Um den ganzen eine rohere Erscheinung zu geben, beklebte ich einen Teil des Turmes und der Treppe mit Stücken von Baumrinde, die ich im Wald gesammelt hatte. Damit soll dargestellt werden, dass der Turm teilweise direkt in den Fels gebaut und die Treppe in die Felsen getrieben wurde. Ich überlegte erst, die Felsen anders zu bemalen wie den Turm. Ich war mir aber nicht sicher, ob dann der Kontrast richtig aussieht und entschied mich dann doch, beides in etwa den gleichen Farbtönen zu bemalen. Hintergedanke ist, dass wahrscheinlich sowohl Turm als auch Verputz aus der selben Gesteinsart sind, wie die umliegenden Felsen selbst.
An manchen Stellen versuchte ich mit dunkelbrauner und grüner Tusche, den Verputz noch zusätzlich zu "altern".  
Das ganze klebte ich auf eine Base aus dünnen Plastik, welche mit Dekorsand und Grasflock bestreut wurde.  

Fertig ist meine Turmruine als bevorzugter Aufenthaltsort für Scharfschützen, Wachposten oder Hexen aller Art :-)

Der Pferdestall
Das Gebäude wurde von Clubmitglied Gorac beim Bau seiner sog. Panama-Platte gebaut. Da es sich damals um ein Piraten-Setting handelte, versah er den Pferdestall mit einem mediteran-kolonialen Schindeldach.
Ich wollte noch einige Gebäude auf meiner 30 jährigen Kriegs-Platte haben, also war die Umgestaltung für ein mitteleuropäisches Setting erforderlich. Das Gebäude an sich ist passend, ich baute nur das Dach neu. Hierbei handelt es sich jetzt um ein Strohdach, das ich aus Kunstfell bastelte und bemalte.

Der Pferdestall in der ursprünglichen Form...

... und hier mit dem neuen Strohdach

 

Skelette
Um den düsteren Hintergrund eines vom Krieg heimgesuchten Landstriches zu unterstreichen, wollte ich noch einige Elemente von Hinrichtung und Tod einbringen.

Ein auf das Rad geflochtener Toter:
Es handelt sich um ein altes Skelett von Games Workshop. Das Rad ist Zubehör der Ramshakle Barn von Renedra. Der Pfahl wurde aus Gussrahmenresten geschnitzt.

An einen Baum gefesselter Toter:
Es handelt sich um ein altes Skelett von Games Workshop. Den Baumstamm aus Gussharz habe ich vor einigen Jahren von einem belgischen Figurenhändler auf der Modellbaumesse Mainz gekauft.

Pferdekadaver
Das Modell von dem halbverrotteten Pferdekadaver habe ich vor vielen Jahren erstanden. Ich glaube es handelte sich ursprünglich um ein Reittier für einen Untoten von Ral Partha.
Der Wegweiser ist aus Balsaholz und einem Zahnstocher gebastelt. Die Krähe stammt aus dem Grabstein-Gussrahmen von Renedra.  


 

Mauern:
Um gutaussehende und trotzdem stabile Mauern zu bekommen, schnitt ich Styrodurstreifen von ca. 12 cm Länge, 1 cm Breite und 2 cm Höhe zurecht. Diese beklebte ich mit Holzleim in 2-3 Schichten mit kleinen Steinchen, die man in jeder Dekor-Abteilung im Baumarkt finden kann. Abschließend wurden die Mauersektionen mit Wasser verdünntem Holzleim versiegelt. Danach wurde das ganze in mehreren braun- und beige-Farbtönen bemalt. Am Mauersockel verwendete ich auch etwas grün um Vermoosung durch Feuchtigkeit in Bodennähe anzudeuten.  

 

Abgestorbene Bäume:
Für Halloween-Szenarien und generell um einen alten halbvergessenen Friedhof darzustellen, wollte ich einige abgestorbene Bäume haben.
Hierzu nahm ich Blumendraht und schnitt etwa 20 cm lange Stücke. Dann knickte ich sie in der Mitte und verdrehte die beiden Enden miteinander. Jeweils ein Drahtstück war für den Baumstamm und etwa 4 weitere Drahtstücke wurden zu einer Baumkrone verzwirbelt und in verschiedene Richtungen gebogen. In den Draht-Baumstamm flocht ich noch 1 - 2 weitere Drahtstücke und bog alle Enden etwas auseinander um später damit Wurzeln darzustellen, die aus dem Boden ragen.
Ich nahm aber auch etwas dickere echte Zweige und wickelte einen Draht drumherum um so einen massiveren Baumstamm zu bekommen.
Danach wurde alles dick mit Abtönfarbe aus dem Baumarkt eingepinselt. Holzleim ginge hierfür auch, braucht aber länger zum Trocknen. Auf die noch frische Farbe habe ich dann mehrere ca. 3 cm breite Streifen Küchenpapier um Äste und Stämme gewickelt. Das kann eine schmierige Angelegenheit werden, es empfiehlt sich die Benutzung von Gummihandschuhen.
Wo sich das Küchenpapier nicht vollständig vollsaugte, pinselte ich nochmal mit Farbe nach. Ziel ist, das Küchenpapier eng um die Drahtgerüste zu bekommen und dass auch das Küchenpapier hart wird, wenn die Farbe trocknet. Die Falten die das Krepp dabei schlägt, stellen später Borke und Rinde dar.
Nachdem das trocken war, bestreute ich noch die Stellen mit feinem Sand, die mir zu sehr nach Küchenpapier und zu wenig nach Rinde aussahen.
Danach wurden die ganzen Bäume mit der Heißklebepistole auf Basen aus dickem Karton geklebt und komplett mit schwarzer Abtönfarbe bemalt.
Nach dem Trocknen wurden die Bäume in 1-3 Farbstufen mit dunkel- und olivgrün trockengebürstet.
Um etwas Belaubung auf die Bäume zu bekommen, klebte ich Islandmoos, braunes Grasstreu oder braune Grasbüschel darauf.
Die Basen wurden abschließend noch mit Dekorsand bestreut, bemalt und mit Grasstreu beflockt. Vereinzelt fügte ich Grabsteine (aus dem Renedra-Grabsteinset) hinzu.

Hier meine abgestorbenen Bäume

Felsformationen:
Als Ergänzung für meinen alten Friedhof und die abgestorbenen Bäume baute ich mir noch einige Basen mit Felsformationen. Die Idee hierzu stammt sogar aus einem alten White Dwarf, in dem so Chaos-Gelände gebaut wurde. Grundlage sind mehrere Styrodurstücke, die alle etwa einen Durchmesser von 4 - 12 cm haben. Ich schnitt die Stücke wahllos zu, schrägte die Kanten mit einem Cutter ab und klebte sie aufeinander. An den Verbindungsstellen und Bodenkanten bestreute ich mehrere Stellen mit Dekorsand.
Danach schnitzte ich aus Resten von Plastikgussrahmen mehrere Pfähle und Spitzen und klebte sie mit Plastikkleber zusammen. Diese Pfähle und andere, die ich einfach nur aus abgebrochenen Zahnstochern gemacht hatte, steckte und klebte ich ins Styrodur. Man kann dabei aufpassen, dass auf dem Styrodur immer noch genug Platz bleibt um darauf vereinzelt Modelle stellen zu können.
Abschließend wurden Pfähle, Felsen und Steine in verschiedenen Farbtönen bemalt und akzentuiert.
Danach kamen die Felsformationen auf eine Base aus dünnem Plastik oder Karton, die mit Sand bestreut, bemalt und beflockt wurde.
Zuerst bastelte ich "spooky" Felsformationen, die ziemlich schwarz gehalten sind, während die Pfähle in einem unnatürlichen und ungesunden grün hervorstechen. Diese Geländeteile verzierte ich auch noch mit Knochen von alten GW-Skeletten und mit Pilzen, die ich aus GreenStuff selbstgeknetet und z.T. violett bemalt habe.
Es wurde aber zurecht angemerkt, dass diese Teile sehr "fantasy" sind und nicht richtig zu meinem "realistischen" 30 jährigen Kriegs-Setting passen.  
Also bastelte ich ein zweites Set mit der gleichen Methode. Ich ließ allerdings die Knochen und Pilze weg und benutzte bei der Bemalung natürlichere Farben.    

Hier sieht man einige der Felsen mit den toten Bäumen.