Scharmützel im großen nordischen Krieg - Spielbericht: Die Brückenschanze

Es ist schon einige Zeit her, dass ich einen Spielbericht geschrieben habe. Deshalb geht es diesmal wieder in den großen nordischen Krieg (1700 - 1721) . Hintergrund ist der schwedische Einmarsch in Russland im Jahre 1708. In vorhergehenden Scharmützeln haben es die Schweden noch nicht geschafft, in Masse einen der Grenzflüsse zu überqueren.

In diesem Szenario ist es einer kleinen Einheit schwedischer Infanterie aus Nyland gelungen, eine Brücke einzunehmen und die Eroberung mit zwei Schanzen zu befestigen. Aber die Verstärkung bleibt aus (wahrscheinlich haben feindliche leichte Reiter die Kuriere abgefangen) und der russische Gegenangriff rollt an !

 

Das Spielfeld. In der Mitte der Grenzfluss. Rechts davon (auf "russischer" Seite) die beiden Schanzen bzw. Redouten der Schweden. Man erkennt, wie schwach die schwedischen Kräfte sind.

Links sieht man die Ortschaft durch die die schwedischen Verstärkungen kommen sollen.

Aber zunächst kommen erstmal nur die Russen und schon bald müssen sich die Soldaten aus Nyland aus der Redoute zurückziehen und auf den befestigten Zugang ausweichen. Ihnen gegenüber hat sich eine große Übermacht aus zarentreuen Kosaken und regulären Einheiten aufgebaut. Russische Gardeinfanterie und eine Regimentskanone versperren die Straße. Jenseits davon schwärmen flinke Kalmücken über das Terrain.

Die schwedische Verstärkung kommt verzettelt und durcheinander an. Hier marschieren Pikeniere und Grenadiere vor, währen schwedische Linieninfanterie bereits alleine auf die Brücke vorgestürmt ist und bald darauf erbarmungslos zusammengeschossen wird.

Eine Abteilung schwedischer Kürassiere nimmt einen Umweg rechts an der Kirche vorbei.

Russische Artillerie hat die Schanze leergefegt und die Kalmücken-Reiter prechen bis zum Ufer vor und belegen die Schweden auf der Brücke mit einem relativ harmlosen Pfeilhagel.

Während dessen haben Kosaken-Brüder die letzten Schweden in der Redoute niedergemacht und die Befestigung eingenommen.

Mühsam wird ein schwedisches Regimentsgeschütz durch das Dorf gezogen, während sein Gegenpart auf russischer Seite schon blutige Ernte unter den Schweden einfährt.

Ga Pa !!

Die Infanteristen aus Västmanland haben sich nicht mit dem Abfeuern ihrer Musketen aufgehalten, sondern stürmen gegen die überraschten Kalmüken mit blankem Bajonett. Einige der Steppenreiter werden aus den Sätteln gestochen, der Rest ergreift in heller Panik die Flucht.

Die Västmanländer rücken in die zentrale Schanze ein.

Die Infanterie aus Västmanland ist von Feinden umringt. Direkt an der Schanze berittene Kosaken, rechts auf der Straße St. Petersburgski Dragoner und Preobrazhenski Gardeinfanterie. Stoisch nehmen die Skandinavier den Kampf auf.

Schwedische Grenadiere haben mittlerweile Position bezogen und die Kürassiere rechts bereiten sich auf eine Reiterattacke über die Brücke vor...

... die dann auch prompt einschlägt und die Kosaken an der Redoute in alle Winde zerstreut. Kurz darauf nimmt die schwedische Reiterei die Befestigung.

Aber gutgezieltes russisches Feuer aus allen Rohren dezimiert die Reiter und als die Semenovski Garde antritt, fällt die Redoute wieder an die Russen.

Es zeigt sich, dass dies die schwedische Hochwasserstandsmarke war...

Auch an der anderen Befestigung wurden die Schweden schwerst dezimiert. Ein ambitionierter erneuter Bajonettangriff der Schweden, diesmal auf die russischen Dragoner, schlug katastrophal fehl, als die Schweden beim Überklettern der Verschanzungen von russischen Karabinern niedergemäht wurden. Es bleib nur noch der Unteroffizier übrig, der sich demoralisisert wieder in die Schanze zurück zog.

Also Zeit für heroische (oder verzweifelte ?) Aktionen. Der schwedische General Lewenhaupt attackiert persönlich und hoch zu Ross alleine die Redoute. Er kann auch einige Gardisten nierdermachen, diese weigern sich aber hartnäckig zu fliehen. 

Fürst Menshikov (in rotem Uniformrock) nimmt höchtselbst die Herausforderung an und wirft sich in den Nahkampf mit dem feindlichen Adeligen.

Aufgrund ihrer schweren Verluste müssen die Schweden regelmäßig Moraltests ablegen, um zu sehen ob sie sich nicht zurückziehen müssen.

Es keimt nochmal leichte Hoffnung auf, als die letzte schwedische Linieninfanterie die Redoute stürmt und ihren General im Kampf unterstützt. Aber es hilft alles nichts, die gegnerischen Gardisten verteidigen unermüdlich jeden Zentimeter Boden von Mütterchen Russland. Trotz horrender Verluste bleiben sie im Gefecht.

Anderenorts gibt es kaum noch schwedische Gegenwehr. Der schwedische Oberst Stackelsberg wird von einer Geschützkugel gestreift und fällt ohnmächtig zu Boden. Die berittenen Kosaken schleifen den Verwundeten vom Schlachtfeld und in Gefangenschaft.

Die verbleibenden Schweden fügen sich in das Unvermeidliche und treten schnurstracks den Rückzug an. Fürst Menshikov und zwei überlebende Semenovski Gardisten rufen dem weggaloppierenden General Lewenhaupt noch einige Schmähungen hinterher, dann schlagen sie das Biwak auf, um sich mit ordentlich Wodka für diesen glorreichen Sieg selbst zu belohnen. Zar Peter kann stolz auf sie sein !

Ich habe das Szenario als Solo-Skirmish in gut 2 Stunden gespielt.

Regelwerk wie immer: Donnybrook.

Die Russen waren als Reguläre (W8) und die Schweden als Veteranen (W10) aufgestellt.  Die schwedische Niederlage kam wahrscheinlich durch den tröpfchenweisen Aufmarsch zustande, dem die Russen zumeist eine intakte Feuerlinie entgegen setzen konnten. Außerdem hatten die Schweden das Nadelöhr der Brücke zu überwinden, während die Russen einfach auf jeden schießen oder schlagen konnten, der an ihrer Uferseite auftauchte.

Letztendlich überwand dann die bessere russische Position und zahlenmäßige Überlegenheit den Nachteil der schlechteren Qualität.

Trotzdem war das Ergebnis lange Zeit offen und es wäre auch ein schwedischer Sieg möglich gewesen. Was will man mehr :-)