Spielbericht - Flussüberquerung im Pfälzischen Erbfolgekrieg

Spielbericht - Flussüberquerung

Aufbaukampagne:
Um meine bisher vorhandene Figurensammlung für den Pfälzischen Erbfolgekrieg schon bischen an das Tabletop-Schlachtfeld zu gewöhnen, entstand die Idee, eine kleine (Solo-) Aufbaukampagne für das Projekt Pfälzischer Erbfolgekrieg zu machen. Dabei möchte ich/wir mit den bereits spielfertigen Einheiten schon kleinere Gefechte ausspielen, bevor dann genug Material vorhanden ist, um große Schlachten schlagen zu können.

Szenario-Hintergrund:
Irgendwann im Jahre 1689/90: die Zerstörung der Pfalz durch französische Truppen ist schon weit fortgeschritten. Die Franzosen halten einige starke Festungsstädte (z.B. Phillipsburg und Landau) besetzt, ziehen sich aber langsam Richtung Frankreich zurück. Die Reichsarmee und die Kaiserlichen nutzen dies um langsam nachzurücken.
In diesem Szenario plant ein kaiserliches Korps mit sächsischer Unterstützung, über einen Nebenarm des vielverzweigten Rheins auf das linke Rheinufer überzusetzen.
Sie haben hierzu Boote herbeigeschafft und hoffen eine unbewachte Stelle gefunden zu haben.
Unglücklicherweise lagert unweit des anderen Ufers ein französischer Trupp, der sogar Teile der Gardetruppen beinhaltet. Obwohl zahlenmäßig unterlegen, eilen die Franzosen zum Fluss, um die Überquerung zu verhindern.

Die Armeen:
Frankreich:
1 Truppenkommandant
2 Regimenter Linieninfanterie (Garde Francaise und Garde Suisse)
1 Regiment Linieninfanterie (regulär)
1 Regiment Linienkavallerie (regulär)
 
Reichsarmee / Kaiserliche:
2 Truppenkommandanten
3 Regimenter Linieninfanterie (regulär)
2 Regimenter Kürassiere (regulär)
1 Regiment Dragoner (regulär)
1 Regiment sächsische Linienkavallerie (Rekruten)
1 Batterie Feldartillerie
3 Boote

Anmerkung: Um ihre numerische Unterlegenheit etwas auszugleichen, wollte ich zwei Einheiten der Franzosen in überlegener Qualität haben.
Das ich (noch ?) keine richtigen Franzosen habe, stimmen bei den Garderegimentern nur die Uniformfarben. Aufschläge und sonstiges Gebamsel sind höchstwahrscheinlich nicht in den richtigen Farben bemalt.  

Das Spiel:
Ich habe das Szenario als kleines Solo-Szenario gespielt.
Figurenmaßstab: 15mm
Hersteller: Essex und Legio Heroica
Regelsystem: Field of Glory Renaissance
Szenario-Idee aus dem Buch: The Partizan Press Guide to Solo Wargaming

Anfangsaufstellung:
Die Franzosen marschieren geschlossen von rechts. Links rücken die Kaiserlichen in zwei langen Kolonnen dem Flussufer zu. Die sächsischen Rekruten-Kavalleristen (oben links) reiten auch zögerlich vor. Sie sollen aber nicht schon bei den ersten Angriffswellen dabei sein; zu unsicher ist sich der kaiserliche Kommandant ihres Kampfgeistes.  


 

Die kaiserlichen Dragoner besteigen bald als erstes die Boote und setzen über.

Die Franzosen kommen schon bald in Reichweite der kaiserlichen Artillerie und haben schnell erste Verluste. Aber danach wird das Artilleriefeuer ungenauer.
Um den Kanonenbeschuss auf sich zu ziehen und von der wertvollen Garde abzulenken, bleibt das reguläre franz. Infantrieregiment am anderen Flussufer vor der Batterie stehen und harrt sehr lange unter dem Dauerbeschuss aus.
Die übrigen franz. Regimenter formieren von der Marschkolonne in Kampfformation um.

Die Dragoner sind angelandet. Sie lassen sich aber nicht auf ein ungleiches Feuerduell mit der französischen Garde ein, sondern bewegen sich nach Süden, um aus der französischen Reichweite zu kommen und Platz für die nachfolgenden Landetruppen zu machen.

Kaiserliche Kürassiere landen als nächstes, sind aber vom dem Verlade-Vorgang noch ungeordnet.
Sie überstehen den anschließenden französischen Beschuss recht gut und greifen, um weiterem Beschuss zu entgehen, die gegnerische Linienkavallerie an. Der Kampf wogt so lange hin und her, bis die Garde Francaise den Kürassieren in die Flanke fallen kann.

Dann geht alles schnell: die Kürassiere brechen, fliehen durch die Dragoner und bringen diese in Unordnung.

Siehe Bild: zum Ufer fliehende Kürassiere mitte unten, links davon die wankenden Dragoner gegen die franz. Linienkavallerie.

Die nachsetzende franz. Linienkavallerie bricht in die Dragoner und reibt auch diese auf. Kürassiere und Dragoner fliehen zum Fluss und werfen sich in die Fluten, hart verfolgt von der französischen Kavallerie. Alle Kaiserlichen die sich nicht schwimmend retten können, werden am Ufer von den Franzosen niedergemacht oder ertrinken.  
Auf einen Schlag haben die Kaiserlichen zwei volle Einheiten verloren und das Flussufer scheint französisch zu bleiben.

Mit zwei weiteren Booten landet die zweite kaiserliche Kürassiereinheit an. Auch sie wird von einem Kommandanten persönlich geführt. Sie geht der Garde Francaise aus dem Weg und nimmt die Verfolgung der französischen Kavallerie auf. Der Beschuss der Garde Francaise auf lange Reichweite kann den Kürassieren nichts anhaben.
Die Kavallerie der Franzosen kann sich noch der neuen Bedrohung zuwenden, als die Kürassiere auch schon angreifen.
Diesmal können die Kürassiere schon in kurzer Zeit einen Vorteil erringen, die französischen Reiter beginnen nachzugeben.

Ungeachtet dessen landen als nächstes einige Kompanien der ersten kaiserlichen Infantrieeinheit, zusammen mit einem Kommandanten. Sie nehmen die Garde Francaise zwar nur unter schwachen Beschuss, aber offensichtlich sind diese noch sehr erschöpft vom Nahkampf und geraten sofort in Unordnung.

Weitere gelandete Kaiserliche und auch die Artillerie konzentrieren ihr Feuer auf die Garde Francaise. Diese hält dem Beschuss stand, verliert aber viele Männer.

Trotz leichter Unordnung und Unterzahl geht die Garde Francaise die kaiserliche Infantrie im Nahkampf an. Wegen ihrem besonderen Elán sind die Franzosen den Kaiserlichen im Angriff etwas überlegen, was den Nachteil der Unordnung ausgleicht. Beide Seiten fechten ohne besonderen Erfolg, während der Rest des kais. Regimentes anlandet und sich der kämpfenden Einheit anschließt.  

Im Reitergefecht flussaufwärts kippt plötzlich die Waagschale, als die Kürassiere den Nahkampf leicht gewinnen und ein miserabler französischer Moraltest die Linienkavallerie zur Flucht zwingt. In kopfloser Panik galoppieren die Franzosen vom Schlachtfeld und zerren ihren zappelnden und schreienden Befehlshaber gleich mit.  
Von nun an können die Franzosen keine im Spiel verlorenen Moralstufen mehr sammeln.

Im Handgemenge der Infanterie kann keine Seite die Oberhand gewinnen. Aber die Zeit arbeitet gegen die Franzosen, da so die siegreichen Kürassiere umschwenken und in Flanke und Rücken der Garde reiten können.

Trotz großem Opfermut muss die Garde Francaise schließlich der gegnerischen Überzahl nachgeben und ergreift die Flucht.

Wie man sieht landen immer mehr Kaiserliche am jenseitigen Flussufer. Die Boote benötigen 2 Runden für die Überfahrt und werden dabei jeweils 2 Zoll von der Strömung abgetrieben. (Witzig: ich merke eben erst beim Schreiben, dass ich die Boote in die falsche Richtung, nämlich stromaufwärts habe abtreiben lassen *gg*).  

Die schweizer Garde macht sich in der 2.Linie bereit, da die Flucht der Garde Francaise spätestens mit dem Angriff der Kürassiere absehbar wird.

Das reguläre französische Linienregiment (unten) schmilzt langsam unter dem Artilleriebeschuss zusammen (Batterie am oberen Bildrand), gibt schlussendlich nach und flieht.

Die Garde Suisse gerät auf dem Weg zu ihren Gegnern in das konzentrierte Feuer von Musketen und Kanonen. Ihr nachfolgender Angriff wird deshalb nur schwach vorgetragen, die kaiserliche Infantrie hält stand. Bald fallen die frei umherstreifenden Kürassiere den Schweizern in den Rücken. Von allen Seiten bedrängt und geschlagen, legen die schweizer Gardisten ihre Waffen nieder und ergeben sich.

Das Gefecht ist vorbei. Ein kleiner kaiserlicher Brückenkopf am linken Rheinufer wurde errichtet. Der Hauptstoß soll über die Brücke bei Mannheim, auf die Rheinschanze erfolgen.
Wir werden sehen, wie es weitergeht ...      
 
Fazit:
Das Spiel war unerwartet spannend. Als die 1.Kürassiere und die Dragoner von der franz. Kavallerie in den Rhein getrieben wurden, sah es so aus, als ob die Sache für die Kaiserlichen gelaufen wäre. Aber der glückliche Ausgang des anschließenden Nahkampfes der 2.Kürassiere mit der franz. Kavallerie, die dann mitsamt dem einzigen franz. Befehlshaber von Schlachtfeld floh, änderte den Verlauf des Gefechtes. Die Garde Francaise war durch ein paar kaiserliche Sonntagsschüsse, gefolgt von erbärmlichen Moraltests, zu diesem Zeitpunkt bereits ungeordnet und konnte ohne Befehlshaber auch nicht mehr gesammelt werden. Dadurch war es den Kaiserlichen möglich, durch ihre zahlenmäßige Überlegenheit den Gegner langsam abzunutzen und das Gefecht zu gewinnen.