Spielbericht Schweden gegen Polen im 2.nordischen Krieg (1655-1660): Vistula - Teil 1

„Historischer“ Hintergrund
Dieses Szenario ist inspiriert vom historischen Roman „Potop“ (Sintflut) von Henryk Sienkiewicz.
Der schwedische König Karl Gustav ist mit einem Heer in Polen einmarschiert. Er wurde dort fortwährend von polnischer Kavallerie auf dem Marsch angegriffen. Die Polen stellten sich nicht zur offenen Feldschlacht sondern schwächten die schwedische Armee kontinuierlich durch Überfälle auf die Nachhut, entzog den Invasoren den Zugriff auf Nahrung und Pferdefutter, machte immer wieder Nachzügler nieder und hinderten den Gegner an Ruhe, Rast und Versorgung. Währenddessen zogen sich mehrere polnische Truppenaufgebote zusammen, bis sie eine Übermacht über die Schweden hatten. König Karl Gustav muss sich vor den überlegenen polnischen Truppen Hetmanns Sapyeha und Pan Charnietzki zurückfallen lassen.
Er hat sein Lager in einer Landzunge am Zusammenfluss der Flüsse Pilitsa und Vistula aufgeschlagen. Seine dreieckige Stellung ist an zwei Seiten durch die unpassierbaren Flüsse geschützt. Auf der Landseite wurden stabile Schanzen und Befestigungen aufgeworfen. An beiden Flußseiten haben die Polen ihre zwei Lager aufgeschlagen. Sie sind stark in leichter und schwerer Reiterei, haben aber kaum Infantrie und Artillerie. Daher können sie keinen Sturm auf die Schanzen wagen und auch nicht den Schweden aus seiner Stellung bombardieren.
Die Schweden haben eine ausgewogene Mischung aus Reiterei, Infantrie und einen beträchtlichen Artilleriepark. Aber die Versorgung mit Lebensmittel aus dem Umland ist durch die Polen abgeschnitten. Deswegen müssen die Schweden versuchen, aus ihrer komfortablen Position auszubrechen.
Dazu haben die Schweden aus am Fluss gelegenen Garnisonen Boote herbeischaffen lassen, um eine Bootsbrücke zu bauen.
Im Roman wird das Entkommen der Schweden dadurch erleichtert, dass Charnietzki sein Kontingent abziehen muss, um sich einer schwedisch-brandenburgischen Hilfsstreitmacht entgegen zu stellen. Die verbliebenen Polen sind zu vorsichtig und zu unkoordiniert, um den entschlossenen schwedischen Flussübergang zu verhindern.
In diesem Szenario wird unterstellt, dass die Truppen Charnietzkis nicht komplett abgezogen sind und somit die Schweden und Polen etwa gleichstark sind.

Das Szenario:
Die Passage über die Bootsbrücke soll durch vehementes Artilleriebombardement gedeckt werden.
Parallel erfolgt der schwedische Angriff über die Bootsbrücke auf eine der beiden polnischen Teilstreitkräfte.
Die Polen haben den Nachteil, dass sie zu diesem Zeitpunkt örtlich unterlegen sind. Sie können aber Truppen über eine weiter entfernte Furt oder Brücke von einer Seite zur anderen verschieben.
Es sind interessante Situationen zu erwarten:
–        ist das schwedische Bombardement stark genug um die Polen auf Abstand von der Bootsbrücke zu halten
–        können die schwedischen Stoßtruppen einen stabilen Brückenkopf bilden
–        können sich die Schweden schnell genug entfalten und über die Bootsbrücke verlegen, solange sie örtlich noch in der Übermacht sind
–        wie schnell sind polnische Verstärkungen aus dem anderen Lager herangezogen
–        schaffen es auch die langsameren schwedischen Truppenteile z.B. die Artillerie und die Baggage-Wagen über die Brücke und die rettende Tischkante

Missionsziele:
Die Schweden müssen durch eine der beiden polnischen Teilstreitkräfte durchbrechen unter so wenigen Verlusten wie möglich.   
Sie bekommen Siegpunkte für jede vernichtete polnische Einheit.
Außerdem für jede schwedische Einheit, die eine Tischkante auf der anderen Flußseite verlässt.
Die Polen müssen die Schweden am Entkommen hindern. Sie bekommen Siegpunkte für jede vernichtete schwedische Einheit.

Das Spiel:
Ich habe erstmal das Szenario alleine als Solo-Wargame testgespielt, da ich nicht weis ob und wie ausgewogen es ist. Ich war unschlüssig, ob ich hierfür die Field of Glory-Renaissance Regeln oder eine Renaissance-Version der DBA-Regeln verwenden wollte. Also hab ich das Szenario mit beiden Regelwerken gespielt  :D

1. Spiel: Field of Glory Renaissance

Die Armeen:
Beide Armeen sind etwa 950 Armeepunkte groß. Um die unterschiedliche Kommandosituation darzustellen, gab ich den Polen nur 3 Truppenkommandanten, während die Schweden auch von 3 Truppenkommandanten, aber zusätzlich noch von König Karl Gustav als inspirierenden General, angeführt wurden.
Die Polen stehen zu etwa einem Drittel am angegriffenen Vistula-Ufer und die restlichen beiden Drittel am Pilitsa-Ufer. Bei den Polen sind nur drei Husaria-Einheiten von überlegener Truppenqualität, der Rest ist durchschnittlich.
Bei den Schweden ist mehr als die Hälfte der Reiterei und der Infantriebrigaden von überlegener Truppenqualität und nur etwa ein Drittel durchschnittlich. Außerdem führen die Veteranenregimenter noch Regimentsgeschütze mit, die ihnen zusätzliche Feuerkraft geben.

Das Spiel:


Die Polen am Flussufer bemerken langsam, dass die Schweden etwas planen.


Bald darauf rücken sie ab um über die Furt weiter stromaufwärts zu kommen.

Die ersten schwedischen Regimenter setzen über die Bootsbrücke und werden gleich angegriffen. Der polnische Kommandant links in seinen letzten Minuten, bevor ihn eine schwedische Kugel niederstreckt.

Gleich zu Beginn machte das gelbe Veteranenregiment einigen Boden gut und wies auf der anderen Seite der Bootsbrücke einen kombinierten Angriff einer Einheit Husaren und Kosackenreiterei ab. Bereits in den ersten Nahkämpfen fiel auch der einzige polnische Kommandant auf dieser Seite des Schlachtfeldes, so dass die anderen Einheiten hier nicht mehr gesammelt werden konnten.

Andere Kosacken bedrohten die Flanke des gelben Regimentes, wurden aber von gut gezielten Treffern der mittleren schwedischen Artillerie schwer in Mitleidenschaft gezogen und verscheucht. Danach konnte auch das nächste Veteranenregiment unbeschadet übersetzen und dem gelben Regiment die Flanke decken.


Schwedische Reiterei und Infantrie vertreiben einige Kosacken.


Der schwedische Brückenkopf dehnt sich aus.

In den nächsten paar Spielzügen hielt die kombinierte Feuerkraft der schwedischen Veteraneninfantrie, der Regimentsgeschütze und der beiden Artilleriebatterien die Polen auf Abstand und verursachte kontinuierlich Verluste. Die schwedischen Befehlshaber konnten zügig und geordnet ihre Truppen über die Bootsbrücke führen.


Die Schweden machen sich auf der Landzunge zum Abmarsch bereit

Währenddessen hatten die beiden verbliebenen polnischen Kommandanten alle Hände voll damit zu tun, die Verstärkungen vom anderen Flussufer heranzuführen. Das dauerte relativ lange und gab den Schweden Zeit, das linke Flussufer von Feinden freizuräumen.


Der polnische "Verkehrsstau" an der Furt


Leichte polnische Reiterei durchquert die Furt


Schweden rücken über die Bootsbrücke

Sie konnten eine solide Verteidigungslinie aufbauen, in deren Schutz die schwächere Reiterei und sogar die schwere Artillerie unbedrängt abziehen konnten.


Die schwed. Verteidigungslinie, in deren Schutz weitere Einheiten gefahrlos abrücken können.


Auch die schwere schwedische Artillerie kann unbeschadet abtransportiert werden.

Auch die Polen nahmen sich die Zeit, eine ordentliche Angriffslinie aufzubauen. Aber währenddessen wurden sie weiter von den schwedischen Salven dezimiert. Der anschließende polnische Angriff war harmlos und wurde ohne Schwierigkeiten zurückgeschlagen. Danach zermürbten die schwedischen Musketiere weiter die geschlagenen Polen, so dass diese schließlich die Schlacht verloren gaben.


Das letzte Gefecht der auf dem Schlachtfeld verbliebenen Truppen

Das Spiel verlieft relativ einseitig und der schwedische Erfolg war fast nie gefährdet. Das wird noch dadurch unterstrichen, dass die Polen über die Hälfte ihrer Armee verloren, während die Schweden zwar angeschlagene Regimenter hatten, aber kein einziges (!) als Totalverlust zu verbuchen ist.

siehe auch Teil 2 (ist dann das gleiche Szenario mit leichten Modifikationen, gespielt mit den DBA-Regeln)