"The Year of Miracles" Montrose´s Feldzug in Schottland 1644-1645

Der englische Bürgerkrieg in Schottland: Montrose´s Feldzug 1644-1645 "The Year of Miracles"

 

Nachdem ich mich die letzten Monate im Hobby fast nur mit Fantasy und Sci-Fi beschäftigt habe, wirds mal wieder Zeit für gutes altes historisches Wargaming.

Bei der Epoche bin ich wieder in meiner "Wohlfühlzone", der Renaissance d.h. Europa im 17. Jahrhundert.

Kürzlich hatte ich seit einigen Jahren mal wieder meine kleine 15mm Armee der schottischen Covenanter für den englischen Bürgerkrieg (ECW) in der Hand. Da ich von meinen letzten beiden Schottland-Urlauben auch neue Literatur über dieses Thema mitgebracht hatte, nahm ich mir vor, ein paar Schlachten aus Montrose´s Highland-Feldzug 1644-1645 nachzuspielen.

Dabei kommt mir zugute, dass es sich um verhältnismäßig kleine Armeen handelte, so dass ich ohne allzu großen Aufwand die noch fehlenden Einheiten spielfertig bekommen sollte.

Ob meine Motavation reicht, den ganzen Feldzug durchzuspielen, weis ich noch nicht, aber irgendwo muss man ja mal anfangen :-)

Zum historischen Hintergrund und den einzelnen Schlachten werde ich nicht allzu viel schreiben da das bei Wikipedia & Co. gut nachgelesen werden kann.

Grundsätzlich geht es darum, dass James Graham, Marquis of Montrose im engl. Bürgerkrieg von König Charles I. beauftragt wurde, in Schottland eine Armee aufzustellen und das feindliche Regime der schottischen Covenanter anzugreifen. Es sollte versucht werden, das Regime in Edinburgh zu stürzen um Schottland wieder an die Seite des Königs zu bringen, oder zumindest mit einer Armee den König in England zu unterstützen, da dort dessen Feldzug überhaupt nicht gut lief.

Merkmal des Feldzuges ist, dass für Montrose die Unterstützung hauptsächlich aus den Highlands und Irland kam. Währenddessen kämpfen die Veteranen der Covenanter, die in den schwedischen Armeen des 30jährigen Krieges ihr Handwerk gelernt haben, in Nordengland und Nordirland. Deswegen sind die Covenanter gezwungen, in Schottland schnell Armeen auszuheben, die hauptsächlich aus untrainierten Rekruten und Bürgern bestehen.

Militärhistorisch soll es dieser Feldzug gewesen sein, in dem die Highlander von Montrose selbst oder seinem Verbündeten Alisdair McDonald (McColla) den berühmten Highland-Charge gelernt haben, in dem sich die Highlander rennend auf ca. 50m dem Gegner nähern, eine komplette Salve ihrer Musketen und Pistolen abgeben und dann mit Schwert, Dolch (dirk), Tartsche und Claymore in den Nahkampf stürmen.

Als Regelwerk benutze ich Field of Glory-Renaissance mit dem Armeebuch Wars of Religion, da hierin die beteiligten Armeeaufstellungen enthalten sind und das Regelsystem passende Ergebnisse liefert, die sich "richtig" anfühlen.

 

1.Schlacht: Tippermuir

Der Kern von Montroses Armee besteht aus irischen Truppen, die unter ihrem schottischen Anführer Alisdair McDonald (McColla) von Nordirland in die Highlands übergesetzt haben. Sie erhielten Verstärkung vor allem vom Clan McDonald aus den westlichen Isles und Highlands. Montrose marschiert Richtung Perth. Eine hastig aufgestellte Covenanter-Armee legt sich ihm bei Tippermuir (heute: Tibbermore) ca. 3 Meilen vor Perth in den Weg.

 

2. Schlacht: Aberdeen

Siehe: http://www.kurpfalz-feldherren.de/artikel/montroses-schottlandfeldzug-ab...

 

3. Schlacht: Inverlochy

The Battle of Inverlochy 1644 (Refight: 14.04.2020)

Historischer Hintergrund:

Im Winter 1644 marschierten die Royalisten unter dem Marquis of Montrose und Alasdair McColla nach Argyll um die Länder des verhassten Clans Campbell zu verheeren. Argyll sammelte eine Armee seiner Clansmänner zusammen und befahl noch zwei reguläre Infanterieregimenter der Covenanter nach Argyllshire.

Bei Inverlochy kam es zur Schlacht. Argyll hatte sich die Schulter bei einem Sturz vom Pfer ausgerenkt und beobachtete die Schlacht von seinem Schiff aus, das im Loch Linnhe segelte. Die Covenanter hatten ein kleines Detachement Musketenschützen in das Inverlochy Castle gelegt um die Royalisten mit Flankenfeuer beschießen zu können. Außerdme hatten die Covenanter noch zwei kleine Geschütze dabei, vielleicht von Argylls Schiff.

In der historischen Schlacht stürmten die beiden irischen Regimenter auf beiden Flanken der Royalisten vor und brachten mit einem Highland Charge die gegenüberstehenden beiden Covenanter-Regimenter fast sofort zum fliehen. Das royalistische Zentrum und die Clanskrieger der Campbells griffen sich gegenseitig an. Aber sobald die siegreichen Iren den Campbells in die Flanken fielen, waren diese verloren. Auf der anschließenden Flucht wurde über tausend Campbells getötet, in denn See getrieben oder gefangen und später hingerichtet. Einige flüchteten sich ins Castle. Aber während den Covenantern Pardon gewährt wurde, mussten die Campbells dort alle sterben.

Die Armeen:

Royalisten:

3 x 6 Irish Brigade P&S, swordsmen av.

1 x 8 Highlander McDonalds Bodyguard Warriors, sup. Swordsmen, Bow*

1 x 8 Highlander Warriors, av swordsmen, Musket*

Covenanter:

2 x 6 Covenanter Inf. Pike&Shot poor

3 x 8 Highlander Campbells av swordsmen Musket*

1 x 2 Covenanter Muskets (im Castle)

1 x 2 light Artillery

Da mir in 15 mm eine passende Burg fehlte, habe ich diese aus Karton und Styrodur geschnitzt und gebaut. Die Burg stand im Spiel auf der linken Covenanter Flanke, ansonsten war das Schlachtfeld frei.

Das Spiel

Die Royalisten gingen zügig aber diszipliniert vor. Die vereinzelten Schüsse aus dem Castle beeindruckte die Iren nicht.

Im Zentrum wurde ein Regiment Highlander beim Vormarsch durch den Beschuss der Campbells und der leichten Artillerie vorübergehend erschüttert, aber Montrose konnte schnell wieder die Ordnung herstellen.

Als es auf der ganzen Linie den Covenantern nicht gelang, die Angreifer durch Beschuss aufzuhalten, setzten sich auch die beiden Einheiten der Campbell Highlander im Zentrum in Bewegung. Sie rückten beiderseits der Artilleriestellung vor.

Die Iren feuerten ihre Musketen im Anmarsch ab und griffen dann die beiden Covenanter-Regimenter auf denFlanken an. Auf der Flanke vor Inverlochy Castle verlief der Angriff vollkommen historisch, als fast sofort die Covenanter dort begannen nachzugeben.

Auf der rechten Flanke der Covenanter war genau das Gegenteil der Fall. Die (eigentlich schlechteren) Covenanter schlugen sich mit Bravour und brachen die angreifende Einheit der Iren.

Nun begann der Wettlauf, welche siegreiche Flankeneinheit zuerst die Kämpfe im Zentrum unterstützen konnte.

Dort hatte mittlerweile McCollas Bodyguard die linke Einheit der Campbells angegriffen. Als sie aber nur langsame Fortschritte machten, verlor Alisdair McColla die Geduld, zog sein Breitschwert und warf sich direkt ins Handgemenge. Dies brachte auch gleich Ergebnisse, da die Campbells schnell Verluste anhäuften und ihre Moral ins Wanken geriet. Aber gerade als es den Anschein hatte, dass der Kampf entschieden wäre, geschah das nahezu Unmögliche: In der ersten Reihe kämpfend, war McColla auch den Hieben der verzweifelten Campbells ausgesetzt. Diese verloren eine Nahkampfrunde, würfelten aber die glückliche Doppelsechs, was bedeutete, dass McColla fiel !

Der verwundete Highlander wurde vom Feld getragen. Für ihn war diese Schlacht vorbei.

Die fälligen Moraltests für McCollas Bodyguard und der nahestehenden Highlander der McDonalds wurden aber unter Montroses strengen Blicken bestanden. McCollas Bodyguard rang in den anschließenden Runden, auch ohne ihren Chief, die Campbells nieder und brachte sie zur Flucht.

Mittleweile war aber die letzte Einheit der Campbells durch die Kanonen vorgerückt und hatte sich dem Handgemenge angeschlossen um ihren wankenden Clansmitgliedern zu helfen. Auch die letzten Highlander der Royalisten waren jetzt mit den Campbells im Nahkampf verstrickt.

Auf der rechten Flanke der Covenanter hatte sich die siegreiche Pike&Shot Einheit dem Zentrum zugedreht und marschierte in die Flanke der McDonalds.

Der anschließende Flankenangriff verlief zunächst enttäuschend und die Royalisten hielten, unter dem direkten Kommando von Montrose, kurze Zeit stand.

Bald aber machte sich die doppelte Bedrängung durch die Campbells in der Front und den Covenantern in der Flanke bemerkbar und die Royalisten flohen. Es gelang den Verfolgern aber nicht, Montrose zu schnappen, der sich dann den letzten Iren im Zentrum anschloss. Die Iren richteten sich dann auf ihre überrannte Flanke aus, auch um McCollas Bodyguard abzuschirmen.

Kurz darauf fielen sie siegreichen Iren der linken Flanke der Campbell Reserve, die gegen McCollas Bodyguard kämpfte, in den Rücken.

Auch diese Campbells wuchsen über sich hinaus, wichen nicht zurück und brachten den McDonalds einige Verluste bei. Letztendlich bewies sogar der Covenanter-General Campbell of Auchinbrek seinen Wert, als es ihm vorübergehend gelang, die angeschlagene Reserve zu sammeln.

Es stand nun auf Messers Schneide, welche Einheit und damit auch Armee brach: die Campbells links vom Zentrum und somit die Covenanterarmee, oder die Iren unter der Führung von Montrose.

Letztendlich setzte sich die bessere Qualität und die früheren Erfolge von McCollas Bodyguard durch und sie konnten zusammen mit den Iren die Campbells brechen. Aber noch nicht einmal das, hätte die etwas größere Covenanter-Streitmacht zum Armeebruch gebracht. Erst als McDonalds Highlander in der Verfolgung der fliehenden Campbell Highlander auch die Geschütze überrannten, war das Schicksal der Covenanter besiegelt.

So endete das Spiel historisch mit einem Sieg der Royalisten. Allerdings haben sich die Covenanter wesentlich besser geschlagen, in dem sie nicht bloß standhielten, sondern sogar einen Flügel der Royalisten zerschlugen und Alisdair McColla fiel (auch wenn das Glück statt Können war).