Club-Projekt 2010: Vlad Draculea "Tepes"

Vlad Draculea III. „Tepes“

Unser Projekt, welches wir in 2010 auf der TACTICA, dem HdR-Usertreffen auf der Kauzenburg, der ACTION und dem Attriticon präsentierten, dreht sich um Vlad III. Draculea, genannt "der Pfähler", jemand der vielen von Euch als Vlad Dracula bekannt ist.
Da ein Hauptteil unserer (oder zumindest meiner ) Interessen das späte Mittelalter und die Renaissance ist, ist dieses Thema recht naheliegend. Außerdem sind sehr bekannte historische Persönlichkeiten (wie z.B. auch letztes Jahr unser good ol`Henry Morgan) den meisten geläufig und jeder kann was mit diesen Namen anfangen.
Wir haben (zumindest bisher) den Verlockungen Bram Stokers getrotzt und wollen den "historischen" Vlad und seinen heroischen Kampf gegen die Osmanen darstellen, und zwar abseits von Fledermäusen, schönen Jungfrauen, Vampiren, Werwölfen, Blutsaugern und desgleichen.

Allerdings ist das Leben Vlads (genauso wie sein Geisteszustand...?) ziemlich verworren und es war schwierig ein Highlight herauszufiltern, welches sich für die Umsetzung als Wargame eignete. Daher gingen unsere Überlegungen eher in die Richtung, mehrere kriegerische Ereignisse seines Lebens in EINEM Szenario zusammen zu fassen. Es war dan  die Belagerung von Targoviste, den nächtlichen Überfall auf die osmanische Streitmacht und den Kampf gegen seinen Bruder Radu "den Schönen", welcher auf der Seite des Sultans gegen die Walachen kämpfte.

Wir haben dafür (mehr oder weniger "osteuropäisches") Gelände gebaut, jede Menge Walachen, Türken und Ungarn bemalt und versucht, ein interessantes und spannendes Szenario auszuarbeiten.

Das Szenario wurde mit 15mm Figuren gespielt. Als Regelwerk wollten wir bei den Crusader-Regeln bleiben, da sich diese bisher für Demo- und Partizipation-Spiele bewährt haben. Sie bieten meiner Meinung nach eine gute Mischung aus Taktik, Spielfluss und leichter Erklär- und Erlernbarkeit.

Der Historische Hintergrund:
Mitte des 15. Jahrhunderts: Osteuropa wird bedroht durch die aggressive
Expansionspolitik der Osmanen (gebräuchlicher Name für die unter dem
Staatengründer Osman vereinten türkischen und anderen vorderasiatischen
Gebiete). Die Balkanvölker der Ungarn, Serben, Albaner und Walachen versuchen
ihre Unabhängigkeit zu wahren. Die Karpaten-Provinzen Siebenbürgen
(Transsilvanien), Moldawien und die Walachei werden durch Fürsten regiert, die
nominell dem ungarischen König unterstehen. Trotzdem kämpfen sie darum,
selbständig und unabhängig herrschen zu können.

Die Geschichte von Vlad Draculea III. „Tepes“:
Vlad II., der Herrscher der Walachei ringt um die Unabhängigkeit seines kleinen
Fürstentums. Dazu tritt er dem vom deutschen Kaiser gestifteten Drachenorden bei
und nimmt den Beinamen „Dracul“ an. Als aber die Osmanen sein Fürstentum
bedrohen, bleibt die erwartete Unterstützung des Kaisers aus. Vlad Dracul muss
sich den Osmanen unterwerfen und zwei seiner Söhne, Vlad III Draculea (d.h.
„junger Drache“) und Radu „cel frumos“ („der Schöne“) als Geiseln an den
Sultanshof senden. Dort wachsen beide auf. Doch während sich Radu mit den
Gegebenheiten arrangiert (es heisst, er habe sich nicht gegen die
Zutraulichkeiten des Sultans gewehrt), flieht Vlad nach einigen Jahren an den
ungarischen Königshof. Von dort wird er als Wojwode (d.h. „Fürst“) der Walachei
eingesetzt. Um seine Alleinherrschaft zu festigen, greift er zu grausamen
Maßnahmen. Er lädt die mächtigsten Adeligen (Bojaren) samt ihren Frauen und
Kindern zu einem Festmahl ein und lässt sie dort alle ermorden. Er herrscht
danach mit eiserner Hand und es werden die schlimmsten Tötungsarten überliefert,
wie z.B. bei lebendigem Leib zersägen oder Gefangene kochen und Mitgefangene
zwingen, sie zu verspeisen etc. Aber erst die von ihm bevorzugte Hinrichtungsart
des Pfählens brachte Vlad Draculea seinen Beinamen „Tepes“ („der Pfähler“) ein.
Auch außenpolitisch geht er aggressiv vor. Vlad stellt die Tributzahlungen an
den osmanischen Sultan ein und lässt den türkischen Gesandten die Turbane auf
ihre Köpfe nageln, weil sie sich weigern, diese vor ihm abzunehmen. Sultan
Mehmet II. fällt daraufhin mit einem großen Heer in die Walachei ein. Vlad Tepes
ist weit unterlegen und verlegt sich auf die Taktik der verbrannten Erde. Es
gelingt ihm, den Osmanen empfindliche Verluste zuzufügen und als diese um die
Hauptstadt Tirgoviste etwa 20.000 gepfählte osmanische Kriegs- gefangene und
andere Muslime erblicken, bricht Mehmet II. den Feldzug ab. Er lässt aber Radu
cel Frumos mit Truppen zurück, um die Walachei in Besitz zu nehmen. Vlad muss
nach Ungarn fliehen, wird aber dort von König Mattyas Corvinus 12 Jahre lang
gefangen gehalten. Als Radu an Syphillis stirbt, Vlad seinen orthodoxen Glauben
aufgibt und zum Katholizismus übertritt, ist der Weg für eine erneute Herrschaft
in der Walachei frei. Doch schon kurz nach seinem Amtsantritt stirbt Vlad bei
einem Scharmützel mit feindlichen Truppen. Seine Leiche wird enthauptet und der
Kopf, in Honig eingelegt, an den Sultanshof gesandt. Die Walachei bleibt
weiterhin ein Vasallenstaat des osmanischen Reiches.

Das Szenario:
Das Jahr 1462: Sultan Mehmet II. steht mit seinem Heer vor Tirgoviste. Die
Walachen haben die Hauptstadt geräumt, die Bewohner sind geflüchtet, das Vieh
weggetrieben und die Brunnen vergiftet. Vor der Stadt befindet sich der „Wald
der Gepfählten“. Vlad befiehlt einen nächtlichen Überfall auf das osmanische
Lager, um den Sultan persönlich zu fangen oder zu töten.
Auf dem Spielfeld lagert ein Teil der osmanischen Streitmacht. Es gibt vier
Zielpunkte: das Stadtor von Tirgoviste, das türkische Lager, die türkische
Kanonenstellung und den Wald der Gepfählten. Sultan Mehmet II. kann in jedem der
vier Zielpunkte sein. Die walachische Armee muss die vier Zielpunkte
durchsuchen, um den osmanischen Sultan aufzustöbern. Die Walachen beginnen das
Spiel mit ihrer gesamten Streitmacht, während die Armee der Osmanen erst nach
und nach ins Spiel kommt. Da es sich um einen nächtlichen Überfall handelt,
gelten verkürzte Bewegungs- und Schussreichweiten.

Die Figuren sind im 15mm Maßstab und hauptsächlich von den Herstellern Essex und
Freikorp15. Die Gebäude sind teils von Hovels und teils selbst gebaut. Es
befinden sich ca. 400 Figuren auf dem Spielfeld.