Club-Projekt 2012: Der spanische Erbfolgekrieg 1701-1714

Zu den Anfängen des Projektes steht hier etwas:

http://www.kurpfalz-feldherren.de/artikel/neues-kurpfalz-feldherren-projekt-der-spanische-erbfolgekrieg-1701-1714

Historischer Hintergrund – Politik:
Der Spanische Erbfolgekrieg (1701−1714) wurde um das Erbe des letzten spanischen Habsburgers, König Karl II. von Spanien geführt. Sowohl Frankreich als auch die österreichischen Habsburger konnten wegen enger verwandtschaftlichen Verflechtungen  zum sterbenden spanischen König, Thronansprüche geltend machen.  
Die Österreicher bildeten eine Allianz mit Großbritannien, den Niederlanden und einigen deutschen Fürstentümern um einem weiteren Erstarken der Vormachtstellung Frankreichs Einhalt zu gebieten.
Das unter dem „Sonnenkönig“ Ludwig XIV. zentralistisch organisierte Frankreich wollte seine Dominanz in Europa behaupten und einer Umkreisung durch die Habsburger entgehen. Sowohl Bayern als auch Spanien traten auf der Seite Frankreichs der Kriegskoalition bei.  
Letztlich gelang es Frankreich, mit Philipp V. die bis heute amtierende Dynastie der Bourbonen auf den spanischen Thron zu bringen. Allerdings konnten auch die Alliierten Teilerfolge erzielen. So fielen die spanischen Niederlande (größtenteils das heutige Belgien) an das Haus Österreich, während Großbritannien in den folgenden Jahrzehnten von einem finanziell stark geschwächten Frankreich profitierte.

 

Marquis de Vauban – eine Belagerung im spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714)

Das Szenario
Wir stellen eine Belagerung dar, wie sie Anfang des 18.Jahrhunderts in Mitteleuropa stattgefunden haben könnte. Es gibt zwar kein konkretes historisches Vorbild, aber die Feldzüge in Flandern, sowie entlang des Rheins in Baden, Elsaß und Pfalz, waren geprägt von häufigen Belagerungen.
In dem Szenario hat sich die französische Belagerungsarmee durch Gräben nahe an die vorderen Festungsmauern herangearbeitet. Zusätzlich wurde ein unterirdischer Stollen   vorgetrieben, um eine Bresche in die Mauern zu sprengen.
Ein Teil der Armee macht sich zum Sturmangriff bereit.
Da da die Alliierten eine großes Entsatzheer herangeführt haben, um die Belagerung zu durchbrechen, sind die Franzosen unter Zeitdruck. Die Festung muss fallen, bevor das feindliche Entsatzheer zum Angriff übergeht. Koste es was es wolle.

Figuren:
etwa 2.300 Miniaturen im 10mm-Maßstab von den Herstellern Pendraken und Old Glory 
Gelände:
Gebäude von Pendraken und Magister Militum, Platten selbstgebaut, Bäume Modellbahnzubehör
Regelwerk:
Eigenkreation, Kampfsystem basierend auf De Bellis Antiquitatis (DBA)    

Siegbedingung:
Das Spiel geht über 10 Spielrunden. Bis dahin müssen die Angreifer die Festung erobert haben, d.h. eine Einheit muss die gegnerische Flagge in der Mitte der Festung einnehmen. Gelingt dies in der vorgegebenen Zeit nicht, gewinnen die Verteidiger.

Historischer Hintergrund – Kriegsgeschichte:
Aufgrund dem Fortschritt in der Waffentechnik, insbesondere bei der Reichweite und Durchschlagskraft der Artillerie, konnten nur Städte und befestigte Plätze auf das Bestehen einer Belagerung hoffen, wenn sie mit modernen Festungsbauwerken ausgestattet waren. Dem Fortifikationswesen kam daher seit dem 16. Jahrhundert wachsende Bedeutung zu. Allerdings verschlang der Bau und die Unterhaltung der immer größer und tiefer werdenden Festungen auch riesige Summen an finanziellen Mitteln.
Zu besonderer Berühmtheit gelangte der französische Festungsbauingenieur Sebastien le Prestre, Marquis de Vauban, der seit 1678 über 33 neue Festungen plante und errichten und viele bestehende Festungen nach modernsten Gesichtspunkten ausbauen und erweitern ließ.
 

Die 2. Schlacht von Höchstädt / Battle of Blenheim 13. Aug. 1704

Die Zweite Schlacht bei Höchstädt dürfte die berühmteste Schlacht des Spanischen Erbfolgekriges sein. Ein alliiertes Heer aus Österreichern und Kaiserlichen unter Befehl von Prinz Eugen von Savoyen sowie der Briten unter dem Befehl des John Churchill 1.Duke od Marlburough schlug die Truppen der Franzosen unter dem Befehl von Marschall Tallard und der Bayern unter dem Befehl von Kurfürst Maximilian II. Emanuel. Durch den Sieg wurde ein drohender Marsch der verbündeten französisch-bayerischen Armeen auf Wien verhindert.

 

Werdegang und Abschluss des Projektes:

Von ursprünglich sechs Interessierten sind letzten Endes vier Leute übrig geblieben. Tabris und Rikgrund teilten sich Frankreich, Adrian hat eine ca. 12 Element große englische (DBA-) Armee beigesteuert, während ich Briten, kaiserliche Österreicher, sowie kleinere Kontingente Bayern und deutsche Fürstentümer (Pfalz, Württemberg, Schwaben, Brandenburg-Preußen) beackert habe.
Immer im Fortschritt zu dem Aufbau unserer Armeen wurden Spiele in stetig größer werdendem Umfang  gemacht. Wir haben folgende Regelwerke ausprobiert: Eine De Bellis Antiquitatis (DBA) -Variante für das 18. Jahrhundert, Age of Honour (Fire&Fury-Variante), Gunpowder Revolution (computermoderiertes Wargame) Field of Glory Renaissance und unser selbst entworfenes Belagerungsregelwerk Marquis de Vauban.
Das erste Demospiel "Die Linie von Stollhofen 1704" auf dem Attriticon in Ulm am 04. und 05.Juni 2011 fand großen Anklang.  Wir benutzten hier Gunpowder Revolution und es zeigte sich, dass das System für Schlachtgrößen bis ca. 12 Einheiten pro Seite kurzweilig, spielbar und spannend ist. Bei größeren Armeen wird das Spiel aber teilweise zäh, da alle Spieler auf die Eingaben und Durchsagen des Spielleiters am PC warten müssen, während dieser, aufgrund der relativ großen Menge an Einheiten-Verwaltung, entsprechend länger für die Computereingaben benötigt.

Da ich schon seit einiger Zeit eine passende Festungen im Vauban-Stil besaß und, unverhofft, im Jahr 2011 noch eine zweite angeboten bekam, lag des Beschluss nahe, die neuen Figuren und Festungen in einem  großen Belagerungsszenario zu verwenden. Allerdings bedarf gerade das Spielen einer Belagerung ein schnelles und unkompliziertes Spielsystem, damit es in einem angemessenen Zeitrahmen durchgespielt werden kann.
Daher habe ich mir nochmal DBA vorgenommen, welchem ein sehr einfaches System zugrunde liegt. Die im Internet vorhandenen Varianten für das 18.Jahrhundert sind aber aus verschiedensten Gründen nicht zufriedenstellend oder für eine Belagerung unpassend. Daher war die naheliegende Entscheidung, eine eigene DBA-Variante zu entwerfen. Das Ergebnis ist unsere DBA-Adaption "Marquis de Vauban", benannt nach dem berühmten französischen Festungsbaumeister zur Zeit Ludwigs des XIV. Um zusätzliche Ereignisse und Unvorhergesehenes einzubauen, habe ich ein Kartenset entworfen, mit dem Spieler einzelne Ereignisse auslösen, oder Würfelergebnisse beeinflussen können.
Marquis de Vauban wurde mehrmals auf dem Tabletoptreffen auf der Kauzenburg und der TACTICA in Hamburg präsentiert und insgesamt bin ich sehr zufrieden, wie sich die Spiele entwickelten. Auch unser Spieltisch mit einer Abmessung von 3,00m x 1,20m, zwei kompletten Festungen und über 2.300 Figuren bot ein beeindruckendes Bild.

Als Krönung des gesamten Projektes haben wir am 17.03.2012 auf der ACTION in Rheindahlen die 2.Schlacht von Höchstädt 1704 (engl. The Battle of Blenheim) nachgespielt. Regelwerk der Wahl war hierfür Field of Glory Renaissance. Obwohl die Regeln offiziell nur bis zum Jahre 1690 gedacht sind, haben sie mit minimalen Änderungen auch für das Jahr 1704 sehr gut funktioniert. Auch hier hatten wir wieder nahezu unsere komplette Figurensammlung auf der Spielplatte. Wir spielten mit etwa 1.600 Punkten pro Seite, was ungefähr vier Standard-Armeen insgesamt (zu je 800 Punkte) entspricht. Da wir insgesamt 6 Spieler waren, die alle das Regelsystem, zumindest ansatzweise, kannten, lief das Spiel flüssig und zügig, so dass wir nach etwa 5 Stunden Spielzeit zu einem deutlichen Ergebnis kamen: da der komplette französisch/bayrische Flügel von Prinz Eugens Truppen geworfen und auch das französische Zentrum an mehreren Stellen durchbrochen wurde, hat die kaiserlich-britische Allianz einen deutlichen Sieg errungen. Insofern endete das Spiel ähnlich wie die tatsächliche historische Schlacht.

Damit findet das Projekt seinen (vorläufigen ?) Abschluss. Wir hatten uns ungefähr im Oktober/November 2010 die ersten Figuren zugelegt und seit dem immer mal wieder unsere Bestände aufgestockt. Somit hat das Projekt jetzt ungefähr anderthalb Jahre gedauert. Ich möchte meinen Mitstreitern für das Engagement danken und den betreffenden Clubmitgliedern, für ihr wertvolles Feedback während den Testspielen. Es hat sich erwartungsgemäß gezeigt, dass man mit einigen motivierten Teilnehmern in übersichtlicher Zeit eine ordentliche Masse an schön bemalten Figuren und Gelände auf den Tisch bringen kann.

Zugehörige Fotos: