Workshop: Sitsch der Zaporoger Kosacken

Workshop: Sitsch der Zaporoger Kosacken

Bauanleitung Sitsch
Wie schon andernorts geschrieben, begann ich mich im Frühjahr 2012 mit der Geschichte der Kosackenaufstände um das Jahr 1650 in der Ukraine zu beschäftigen. Bei den Kosacken handelt es sich nicht um eine ethnische Volksgruppe, sondern um eine Gemeinschaft freier Bauern. Diese bildeten eine stolze Bruderschaft, die mich manchmal an die Bukanier in der Karibik erinnerten. Da die Männergesellschaft der Kosacken im Waffenhandwerk geübt war, wurde sie von der polnischen Krone für verschiedene Kriegszüge in das Reich der Osmanen und deren Vasallen, den Krim-Tartaren, verwendet. Außerdem schützten sie Ruthenien (große Teile der heutigen Ukraine), das ein Teil der polnisch-litauischen Union war, gegen die Angriffe der Muslime. Im Gegenzug wurden ihnen Privilegien und Freiheitsrechte eingeräumt. Das war ein Dorn im Auge der hiesigen ruthenischen Adeligen, die permanent versuchten, die Freiheiten der Kosacken einzuschränken und sie möglichst in die Leibeigenschaft zu zwingen.
Es kam wiederholt zu Kosackenaufständen, die aber alle blutig niedergeschlagen wurden. Um das Jahr 1650 brach ein erneuter Aufstand aus, diesmal unter der Führung des charismatischen Hetmans Boghdan Chmelnitzki.
Chmelnitzki hatte sich zum Oberhaupt der Zaporoger Kosacken ernennen lassen und sammelte im Sitsch seine Truppen. Ein Sitsch (in deutsch etwa: hölzerner Verschlag)  ist ein permanentes Kriegslager der Kosacken, in dem die Kosackenbrüder (Molokji) gemeinsam leben, arbeiten, Handel treiben und sich betrinken. Deswegen wollte ich einen Sitsch als Themengelände für meine neue Kosackenarmee haben.

Recherche und Vorüberlegungen:
Die wenigen Bilder, die ich im Internet finden konnte, zeigen einen Palisadenbau mit einem Torturm aus Holz auf einem Bruchsteinfundament. Positiver Nebeneffekt ist, dass das eine sehr grundsätzliche Konstruktion eines Holz-Forts ist, die man auch mit ein wenig Phantasie von der Völkerwanderungszeit (germanisches Palisadendorf), über das Mittelalter (sächsische oder normannische Einfriedung) bis in die Neuzeit (Armee-Fort im wilden Westen) verwenden könnte. In den Illustrationen und bei dem heutigen Nachbau in der Ukraine besteht die Palisadenmauer nur aus einer Reihe grob behauener Holzstämme. Nun soll aber mein Sitsch aus der Mitte des 17. Jahrhunderts sein, wo Artillerie bereits eine entscheidende Rolle im Kriegswesen spielte. Daher entschied ich, dass meine Mauer wesentlich dicker sein sollte, um auch dem Beschuss von Kanonen stand halten zu können. Eine einfache Palisade wäre auch schon von der damals verfügbaren Artillerie mit wenigen Salven zu Zahnstochern verarbeitet worden. Das wäre nicht das, was ich mir von der Hauptbefestigung einer Kriegerbruderschaft erwarten würde.

Bauplanung:
Zuerst legt ich die Maße der einzelnen Mauersektionen fest. Ich entschied mich für eine Länge von mindestens 14 cm und eine Tiefe von 4,5 cm. Somit reicht der Platz für die Standardgröße einer Einheit aus, die nach dem Field of Glory-Regelwerk 12cm breit und 4 cm tief ist. Ich plante auch zwei Mauersektionen mit niedrigeren Brüstungsteilen, damit auch Kanonenrohre darüberhinweg schießen können, während die Kanoniere noch in Deckung stehen. Eck- und Torturm sollten etwa quadratische Grundrisse haben.

Die Mauern:
Ich schnitt die Grundformen jeweils aus 2cm dicken Styrodur- und Styroporplatten aus, die ich mit Holzleim übereinander klebte um auf eine Höhe von 4 cm je Mauersektion zu kommen. Im Supermarkt gab es gerade Äste (beim Dekomaterial) und zwei Rundgänge durch diverse Grünanlagen versorgten mich mit weiteren Zweigen, die ich in einer Stärke von etwa 3 - 10 mm aussuchte. Für das Zuschneiden der Zweige benutzte ich eine normale Gartenschere, die im Gegensatz zu einer Kneifzange eine gerade Schnittkante erzeugt. Die Pfähle der Außenpalisade wurden vor dem Zusammenkleben mit einem Teppichmesser (Cutter) grob angespitzt.
Ich bastelte dann immer kleinere Palisadenstreifen, indem ich einen Pappstreifen etwa 10 cm x 2 cm ausschnitt und darauf nebeneinander die zurechtgeschnittenen Zweige klebte. Das hat den Vorteil, dass man die Palisadenstreifen während dem Trocknen des Leims flach liegend lagern und ggfs. noch mit Steinen, Büchern etc. beschweren kann. Die Palisaden der Außenseite der Mauer ließ ich etwa 2 cm über das Styropor-Fundament aufragen. Das sollte für eine ordentliche Brustwehr für 15 mm - Figuren ausreichen. Die Palisaden der Mauerinnenseite schnitt ich etwa an der Maueroberkante ab. An beiden Enden der Maueraußenseiten klebte ich noch abgeschnittene Trinkhalme an die Palisade, in welche man später Fahnenstangen würde stecken können.
Um den eintönigen Eindruck der langen Palisadenreihe ein wenig zu durchbrechen, und um auch mal mit diesem Material zu arbeiten, schaffte ich mir Korkrinde an. Die sieht gerade bei kleineren Figurenmaßstäben wie ziemlich realistische Felswand aus. Ich suchte mir passend große Rindenstücke aus und klebte sie ebenfalls an die Mauern.  
Um die Lücken zwischen den einzelnen Zweigen und am Übergang zwischen Palisade und Korkrinde etwas zu kaschieren, wurde Außen- und Innenseite mit Spachtelmasse grob verfugt. Der Wehrgang wurde ebenfalls wo es Lücken gab verfugt, anschließend besandet und in Braun- und Ockertönen bemalt.

 

Bild von der Rohbauphase


 

Der Torturm
Die Grundkonstruktion des Erdgeschosses schnitt ich aus passenden Styroporplatten aus. Um ein massiveres Fundament zu haben, klebte ich rechts und links neben dem Tordurchgang schräge Styroporteile an, die sich nach oben hin verjüngen. Gerade diese abgeschrägte Mauerform hat sich im Zeitalter von Renaissance und Barock als wirkungsvolle Methode gegen Kanonenbeschuss gezeigt, da viel von der Schusskraft abgeleitet wird, wenn die Kanonenkugel nicht im rechten Winkel auf das Ziel trifft. Natürlich sind meine Kosacken zu arm, um diese Bauweise durchgängig bei ihrer Befestigung zu verwenden. Deswegen wird diese moderne Technik nur bei dem wichtigen Tor angewandt.
Die Mauern des Torturms wurden dann mit Steinmauer-Reliefplatten beklebt, die es beim Zubehör für Modellbahnanlagen gibt. Alternativ könnte man auch die Steinstruktur in das Styrodur ritzen, was aber mehr Arbeit ist.
Die Kanten des Turmes wurden dann mit schmalen Balsaholzstreifen verblendet.
Das Außentor ist aus Plastik und stammt von einem Fantasy-Brettspiel, welches normalerweise 28 mm-Figuren verwendet. Aber was für eine 28 mm-Figur eine einfache Kellertür ist, ist für eine 15mm-Figur ein großes zweiflügeliges Tor.  
Das Obergeschoss wurde wieder aus niedrigerer Palisade gestaltet. Die tragenden Eckbalken stammen von aufgesammelten Sylvesterraketen-Holzstäben.  
Die Grundform für das Dach wurde aus einem Styrodur-Quader hergestellt, bei dem alle 4 Seiten gleichmäßig mit einem Heißschneidegerät abgeschrägt wurden. Danach klebte ich Teddybär-Fell auf, das es in jedem gut sortierten Stoffgeschäft gibt. Man kann hierfür aber auch alte Kuscheltiere im wahrsten Sinne des Wortes „ausschlachten“. Das Fell wurde mit verdünntem Holzleim eingeweicht, wobei man immer von oben nach unten streichen sollte, damit es sich gleichmäßig in eine Richtung legt. Nachdem der Holzleim trocken war (frühestens nach 1-2 Tagen), wurde das „Strohdach“ hellbraun bemalt und anschließend in mehreren Gelb- und Weißtönen aufgehellt, bis es die Farbe hatte, die mir für ein Strohdach passend erschien.  

Der fertige Torturm:

 

Der Eckturm
Auch im Hinblick auf Widerstandskraft gegen Artilleriebeschuss, wollte ich den Eckturm ebenfalls mit abgeschrägten Vorderseiten versehen. Da ich mir aber vorstellte, dass die Kosacken die aufwendige Steinmauerei schon beim Torturm nicht leiden konnten, entschied ich, dass der Eckturm in einer schnelleren und billigeren Methode gebaut wurde. Demnach wäre ein Grundgerüst aus Holzbalken und -bohlen errichtet worden und dieses fest mit gestampften nassen Lehm und Erde gefüllt worden. Durch diese Konstruktion wäre eine gewissen Flexibilität erhalten geblieben, an der ggfs. Sogar kleinere Kanonenkugeln abfedern können. Sollten doch mal die Holzbohlen beschädigt werden, wäre das Füllmaterial fest genug gefügt, damit es nicht aus den Einschusslöchern herausrieselt.  
Bastlerisch setzte ich das um, indem ich die Grundform wieder aus mehreren Styrodurschichten herausschnitt. Dann klebte ich passende Balsaholz-Brettchen auf alle vier Seiten und ritzte mit einem Kugelschreiber oder Bleistift den Verlauf der einzelnen Holzplanken ein. Außerdem klebte ich noch zwei umlaufende schmale Holzstreifen an die Konstruktion um Trägerbalken darzustellen. Danach bohrte und kratzte ich noch einige Einschussstellen in die Vorderseiten.
Die Kampfplattform am oberen Ende wurde groß genug belassen, damit der Platz für ein Artillerieelement oder zwei Schützenelemente ausreicht. Die Brustwehr wurde wieder aus Styrodur ausgeschnitten und an beiden Seiten mit Balsaholz beklebt, in welches wieder die Holzplanken-Struktur eingeritzt wurde. Die Oberkante der Brustwehr wurde mit größeren Steinen und Sandstreu beklebt, da hier das „Füllmaterial“ des Turmes sichtbar sein sollte.
Anschließend wurde das ganze in verschiedenen Brauntönen bemalt und trockengebürstet. Das Sandstreu wurde ocker bemalt und gebürstet, damit es zur Sandfarbe der Wehrgänge passt.

 

Eckturm mit Mauersegmenten:

 

Material:
Styropor- und Styrodurplatten, 2cm dick aus dem Baumarkt
Zweige vom Deko-Bedarf oder aus der Natur
Holzleim (Ponal)
Bastelleim (UHU)
Kunstfell (Bastelbedarf oder Stoffhandlung)
Steinmauer-Reliefplatten (Modellbahn-Geländebedarf)
Balsaholz (Bastelbedarf oder Baumarkt)
dünnes Vierkantholz (Baumarkt oder Stäbe von Sylvester-Raketen)
Trinkhalme
Spachtelmasse (z.B. Holzspachtel aus dem Baumarkt)
Korkrinde (Aquariumszubehör)
Vogelsand in verschiedener Körnung (Zoohandel, Baumarkt)
Abtönfarbe in hell- und dunkelbraun, ocker, schwarz, weiß (Baumarkt)

Werkzeuge:
Gartenschere
Teppichmesser (Cutter)
Pinsel
Heißschneidegerät für Styropor und Styrodur

 

Das Endprodukt: